Die Petite Sonnerie ist ein automatischer Schlagwerksmodus, der die Viertelstunden bei ihrem Vorbeigehen anschlägt, ohne die Stunde bei jedem Viertelwechsel zu wiederholen. Dieser scheinbar subtile Unterschied trennt die Petite von der Grande Sonnerie deutlich: Bei der Grande wird jede Viertelstunde von einer Wiederholung aller bis dahin geschlagenen Stunden begleitet; bei der Petite erklingen die Stunden nur zu ihrer exakten Zeit, und die Viertel folgen ohne Wiederholung.
Das Werk funktioniert en passant, das heißt, es aktiviert sich autonom ohne Eingriff des Trägers, anders als das Minutenrepetitionswerk, das auf einen Drücker oder die Krone reagiert. Diese Autonomie hat einen genauen Preis: einen höheren Energieverbrauch als Stille oder Minutenrepetition, mit messbarer Reduzierung der Gangreserve. Daher verfügen fast alle Werke mit Schlagwerken über einen Selektor – schiebbar, koaxialer Drücker oder auf der Krone –, der zwischen Grande Sonnerie, Petite Sonnerie und Stille umschalten lässt.
Vom Arbeitstisch aus habe ich genug Uhren mit dieser Komplikation gesehen, um zu verstehen, dass die Petite oft der Alltags-Modus ist: Sie verbraucht weniger als die Grande, überfordert das Ohr nicht, bleibt diskret. Die Grande Sonnerie ist fünf Minuten lang beeindruckend; die Petite begleitet Sie den ganzen Tag.
Unter den Manufakturen, die technisch relevante Interpretationen veröffentlicht haben: Audemars Piguet in der Code 11.59 Universelle mit Auswahl über die Krone bei 3 Uhr, Chopard in der L.U.C Grand Strike mit Schiebeselektor, Blancpain in der Grande Double Sonnerie, die vier Noten statt der traditionellen zwei verwendet. Philippe Dufour baute seinen Ruf auch auf der Grande et Petite Sonnerie auf, einem der wenigen Werke, bei dem das manuelle Finishing bis zu den Rädern des Schlagwerks reicht. Insgesamt können die Manufakturen, die ein komplettes und zuverlässiges Schlagwerk herstellen können, an den Fingern von zwei Händen gezählt werden, vielleicht sogar nur einer.
Die Abkürzung PS erscheint auch in anderen Kontexten: In manchen Kaliber bezeichnet sie Petite Seconde, also die Sekunden in einem separaten Zifferblattbereich neben dem Zentralzeiger. Der Begriff darf nicht mit Petite Tapisserie verwechselt werden, ein dekoratives Guilloché-Motiv auf Audemars-Piguet-Zifferblättern, das mit der Schlagwerksmechanik nichts zu tun hat.