Almanacco del Cinturino

Lucidatura nera

Schwarzpolieren ist keine aufgetragene Farbe: Es ist ein optischer Effekt, der durch die Oberflächengeometrie entsteht. Eine vollkommen ebene Fläche ohne mikroskopische Kratzer reflektiert Licht nur senkrecht. Aus jedem anderen Winkel betrachtet, absorbiert sie alles und erscheint tiefenschwarz. Dieses Paradoxon macht die Technik so anspruchsvoll: Man arbeitet daran, eine Oberfläche zu schaffen, die unter den meisten Lichtverhältnissen verschwindet.

Die Ausführung ist vollständig manuell. Man arbeitet auf ebenen Platten — traditionell Zinn, Kupfer oder Buchsbaumholz — mit progressiv feineren Schleifpasten, bis jede Unebenheit unter dem Mikron beseitigt ist. An der Werkbank wird ständig mit Auge und Tastgefühl kontrolliert. Ein einziges Fremdpartikel, eine ungenaue Bewegung, und man fängt von vorne an. Bei weichen Materialien wie Messing und Gold ist das Risiko noch größer: Die Oberfläche weicht mit weniger Kontrolle nach. Darum kann das Schwarzpolieren einer Tourbillon-Brücke mehrere Tage Arbeit an einem einzelnen Bauteil erfordern.

In der Haute Horlogerie findet man es auf Unruhschrauben, Brücken, Platinen, Rädern. Rexhep Rexhepi wendete Schwarzpolieren zum ersten Mal am Sekundensekundenhammer seines Chronomètre Antimagnétique an und kombinierte es mit einer Bercé-Oberfläche auf dem zentralen Ritzel: zwei Behandlungen, die durch Kontrast miteinander dialogieren. Guillaume Melin führt es für Van Bricht auf Brücken, Zeigern und Tourbillon-Käfig mit unterschiedlichen Werkzeugen je nach Bauteil aus. Jean-Claude Biver erweiterte es in der JCB-003 auf alle polierten Bewegungsoberflächen als einheitliches Veredelungskriterium.

Der Begriff Schwarzpolieren wird ungenau auch verwendet, um schwarze Oberflächenbeschichtungen wie PVD (Physical Vapor Deposition) und DLC (Diamond-Like Carbon) zu bezeichnen. Das sind verschiedene Dinge. PVD trägt eine dünne Materialschicht physikalisch auf Gehäuse, Boden oder Armband auf; DLC fügt eine amorph-kohlenstoffhaltige Schicht mit einer Härte nahe der von Diamanten hinzu. Beide schützen das Metall und verleihen ihm ein schwarzes, mattes oder glänzendes Aussehen je nach Oberflächenfinish, haben aber nichts mit dem Spiegelpolieren zu tun, das an Kaliber-Komponenten durchgeführt wird. Die Porsche Design Chronograph 1 von 1972 war die erste Serienhanduhr mit komplett schwarzem PVD-Gehäuse — damals eine radikale Wahl, heute üblich bei taktischen und militärischen Uhren.

Wer ernsthaft an Bewegungen arbeitet, kann die beiden auf den ersten Blick unterscheiden. Schwarzpolieren hat eine Tiefe, die keine Beschichtung imitieren kann.

Vuoi scoprire di più?