Almanacco del Cinturino

Cottura (smalto Grand Feu)

Das Brennen ist der Prozess, der Emaillepulver in eine glasige Oberfläche umwandelt: ohne diesen gibt es kein Email, nur Pigment. Beim Grand Feu — großes Feuer — überschreitet die Ofentemperatur 750–850 °C, manchmal bis zu 900 °C; bei diesen Temperaturen schmelzen Kieselsäurepulver und Metalloxide und verbinden sich mit der Grundlage. Ein einzelner Zyklus reicht nicht aus. Das Zifferblatt kehrt fünf bis fünfzehn Mal, oft viel häufiger, in den Ofen zurück: Das Labor Moritz Grossmann erreicht neunzig Durchgänge, die sich über mehrere Tage verteilen. Jede Rückkehr in den Ofen fügt eine Schicht hinzu, verfestigt die Farbe und vertieft die Transparenz.

Die Grundlage muss mit der Wärmeausdehnung des Emails kompatibel sein. Gold ist das bevorzugte Material — Gelbgold für klassisches weißes Email, 18er Weißgold, wenn das Projekt es erfordert —, da sein Wärmeausdehnungskoeffizient dem von Glas nahe genug bleibt, um innere Spannungen zu begrenzen. Stahl zeigt unterschiedliche Ausdehnungen und macht den Prozess weniger stabil. Porzellan folgt seinen eigenen Regeln: das Brennen erreicht 1.300–1.400 °C, wie bei der Meissen-Uhr des Senators oder beim Goldfeather Imari Nabeshima, das fünf Brennphasen durchläuft und von einem massiven Stück zu einer gewölbten Form von einem Millimeter Dicke reduziert wird.

Die Risiken sind real und dauerhaft. Das Unterschied der Schrumpfung zwischen Glas und Metall beim Abkühlen kann Mikrorisse, Luftblasen oder Ablösungen erzeugen. Brauntöne und bestimmte Rottöne verhalten sich unvorhersehbar: das Labor von Kong Lingjun in Peking brauchte Monate, um den sand-schokoladenfarbenen Farbton des Yáo-Zifferblatts zu stabilisieren. Wenn Inschriften — Ziffern, Verzierungen, Signaturen — mit flüssigem Email von Hand gemalt und dann nachgebrannt werden, ist jedes Nachbrennen ein zusätzliches Risiko für das gesamte bereits fertiggestellte Zifferblatt.

Das Endergebnis ist eine Oberfläche, die mit der Zeit nicht trübe wird. Die erreichte visuelle Tiefe — das Gefühl, ins Zifferblatt hineinzuschauen statt nur auf es — hängt von der Ansammlung übereinander liegender, durchsichtiger Schichten ab, von denen jede einzeln gebrannt wird. Kein Lack und keine Glasur replizieren diesen Effekt, da die Physik unterschiedlich ist: dort trägt man einen Film auf, hier verschmelzen Glasschichten. Vom Arbeitsplatz erkenne ich authentisches Grand Feu an der millimetergenauen Unregelmäßigkeit der Oberfläche von der Kante betrachtet: sie ist niemals vollkommen flach, und genau das macht sie lebendig.

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