Die Entspiegelung ist kein ästhetisches Zusatz: Sie ist eine physikalische Antwort auf ein physikalisches Problem. Saphirkristall, extrem hart und transparent, hat einen hohen Brechungsindex — etwa 1,77 — was bedeutet, dass er ohne Behandlung bis zu 4% des Lichts an jeder Oberfläche reflektiert. Bei einem Kristall mit zwei Flächen erreicht man 8% Lesbarheitsverlust, sichtbar und störend.
Das Funktionsprinzip ist destruktive Interferenz. Extrem dünne Schichten von Metalloxiden — Magnesium, Aluminium, Zirkonium, je nach Rezept — werden mit Dicken abgeschieden, die auf Bruchteile der Wellenlänge des sichtbaren Lichts kalibriert sind. Jede Schicht reflektiert eine kleine Menge Licht; wenn die Dicken korrekt sind, heben sich die Reflexionen gegenseitig auf. Das Ergebnis ist ein Kristall, der kaum vorhanden zu sein scheint: das Zifferblatt erscheint im Vordergrund, scharf.
Die Anzahl der Schichten zählt, aber sie ist nicht der einzige Parameter. Drei gut kalibrierte Schichten können sieben schlecht ausgeführte schlagen. Das heißt, die umlaufenden Spezifikationen — Clemence Munro mit acht Schichten, Porsche Design mit sieben auf beiden Seiten, Perception bis zu zehn — deuten dennoch auf echtes industrielles Engagement zur Reduzierung von Restreflektion hin. Wirtschaftliche einschichtige Beschichtungen bringen die Reflexion auf 2–3%; gut ausgeführte mehrschichtige Behandlungen sinken unter 1%.
Die Position der Beschichtung ändert alles. Nur innere Beschichtung schützt das Zifferblatt vor Reflexionen der Umgebung, lässt die äußere Oberfläche aber für Frontalreflexionen anfällig. Double-sided — innen und außen — eliminiert beide Störungsquellen, aber die äußere Fläche ist anfällig für Kratzer; deshalb fügen einige Hersteller eine Schutzschicht über der äußeren Beschichtung hinzu, wie beim Porsche Design Chronograph 1. Bei gewölbten Kristallen ist die Beschichtung schwieriger gleichmäßig aufzubringen: die Krümmung führt zu unterschiedlichen Winkeln während der Verdampfungs- oder Sputter-Phase.
Fliegeruhren machten die Entspiegelung fast obligatorisch: in der Kabine verwandelt flaches Sonnenlicht einen unbehandelten Kristall in einen unbrauchbaren Spiegel. Bei Saphir-Glasboden dient die Behandlung auch zum Ablesen des Werks, ohne das Handgelenk ständig zu bewegen. Von der Werkbank erkenne ich einen schlecht behandelten Kristall an dem restlichen farbigen Glanz — Violett oder Grün — der auch tagsüber sichtbar bleibt. Eine gute Beschichtung hinterlässt nur einen neutralen Schatten, fast unmerklich.