Almanacco del Cinturino

Secondi morti

Totsekunden sind keine Luxuskomplikation: Sie sind eine technische Aussage. Der Sekundenzeiger bleibt fast die ganze Sekunde stehen und springt dann in die exakte Position. Keine progressive Oszillation, keine Ablesemarke: Du bist entweder auf der Markierung oder nicht. Deshalb wurden sie bei astronomischen Beobachtungsinstrumenten entwickelt, nicht bei Armbanduhren.

Die zirkulierende Terminologie ist mindestens dreifach: secondi morti auf Italienisch, Totsekunden auf Deutsch, deadbeat seconds oder jumping seconds auf Englisch. Technisch sind sie Synonyme, obwohl in manchen Kontexten deadbeat die Sperrung des Zeigers zwischen den Impulsen betont, während jumping die sichtbare Sprungbewegung beschreibt. Von der Werkbank aus habe ich nie einen wirklichen konstruktiven Unterschied zwischen den beiden Bezeichnungen gesehen: Die Wörter ändern sich, der Mechanismus ist derselbe.

Das technische Problem ist folgendes: Das Hemmwerk liefert dem Sekundenrad durch kontinuierliche Impulse Energie. Um einen sauberen Sprung zu erreichen, muss diese Energie akkumuliert, blockiert und in einem Moment freigegeben werden. Es gibt mindestens zwei etablierte Architekturen. Die erste verwendet ein Feder- und Hebelsystem: Die Feder lädt sich während des Sekundenzyklus auf, der Hebel hält sie fest und gibt sie dann ruckartig frei. Die zweite, unter anderem von A. Lange & Söhne bei der Richard Lange Jumping Seconds verwendet, nutzt einen fünfzackigen Stern und eine Stange namens flirt: Der Stern dreht sich alle fünf Sekunden, die Spitzen blockieren und geben den flirt frei, der den Zeiger zur nächsten Markierung zieht. Diese Lösung wird oft von einem Konstant-Kraft-Mechanismus begleitet, da eine gleichmäßige Energieabgabe grundlegend ist, um den Sprung über die gesamte Gangreserve hinweg präzise zu halten.

Habring² hat einen großen Teil seiner eigenen Identität um diese Komplikation aufgebaut: Das Kaliber A11S fügt sieben Komponenten zur Basis-Unruh hinzu, und der Mechanismus ist vom Gehäuseboden sichtbar. Arnold & Son interpretierte das Konzept mit dem DSTB — Dial Side True Beat — und verlagerte den Mechanismus auf die Zifferblattseite statt ihn auf der Rückseite zu verstecken. Bell & Ross realisierte bei der DB2517 Kind of Two GMT das Antriebsrad aus 14er Gold, eine ungewöhnliche konstruktive Wahl für eine funktionale Komponente.

Die Blitzsekunde ist ein naher, aber nicht identischer Verwandter: Auch dort springt der Zeiger in Schritten, absolviert aber in einer Sekunde einen vollständigen Umlauf und zeigt Sekundenbruchteile — typischerweise ein Sechstel — nicht ganze Sekunden an. Es ist ein Indikator für Hochgeschwindigkeit, nicht für Genauigkeit auf die Sekunde.

Eine häufig mitgeführte Zusatzfunktion ist die Nullrückstellung: Durch Herausziehen der Krone kehrt der Zeiger sofort auf Null zurück, um eine Synchronisierung mit dem Zeitsignal zu ermöglichen. Bei Quarz ist der Zwei-Sekunden-Sprung des Seiko V192 dagegen eine Warnung bei schwacher Batterie: gleiche Gestik, entgegengesetzte Funktion.

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