Der Sekundenzeiger in der Mitte des Zifferblatts ist keine ästhetische Wahl: es ist eine technische Entscheidung, die verändert, wie das Werk konstruiert ist. Bei traditionellen Handaufzugkalibern — das Unitas 6498 ist das am häufigsten angeführte Beispiel — lebt der Sekundenzeiger um 6 Uhr auf seiner eigenen Achse, weil der Räderwerk nicht durch die Mitte läuft. Ihn zur Mitte zu bringen erfordert zusätzliche Räder, oft sichtbare Zusatzbrücken vom Gehäuseboden, und einen kinematischen Weg, der nicht immer ohne Verlust an Dicke oder Gangreserve zu erreichen ist.
Im Deutschen spricht man von Zentralsekunde, und das Wort wird auch heute noch in Katalogen von Marken wie Kallinich Claeys verwendet, weil es genau diese spezifische konstruktive Wahl kennzeichnet. Im Englischen central seconds, abgekürzt CS in Bezeichnungen wie denen von Chopard in der Alpine Eagle Serie. Das Konzept ist identisch: der Zeiger startet von der zentralen Achse, durchläuft das gesamte Zifferblatt in sechzig Sekunden und teilt sich die Rotationsachse mit Stunden- und Minutenzeiger.
Die wirklich wichtige Unterscheidung an der Werkbank ist zwischen abgeleiteten Zentralsekunden und unabhängigen Zentralsekunden. In der überwiegenden Mehrheit der Werke wird der Sekundenzeiger direkt vom Haupträderwerk angetrieben: er stoppt, wenn das Federhaus stoppt, und startet mit ihm neu. Unabhängige Zentralsekunden haben dagegen einen separaten Räderwerk, unabhängig vom Hauptmechanismus. Es ist eine seltene, teure Lösung und technisch komplexer einzustellen.
Die Regulateur-Anzeige kehrt die visuelle Hierarchie um: die Minuten bleiben in der Mitte auf einem langen Zeiger, die Stunden werden in ein Nebenregister verbannt — typisch um 12 Uhr in der Schweizer Tradition, um 3 Uhr in der deutschen Tradition wie bei der Moritz Grossmann — und die Sekunden belegen ein anderes Hilfsfeld. Es ist kein Fall von Zentralsekunden, aber es ist der historische Kontext, aus dem das Konzept seinen Sinn nimmt: die Observatoriums- und Laboruhren, die dieses Layout inspirierten, waren Messinstrumente, keine Schmuckgegenstände, und die Lesbarkeit der Minuten hatte Vorrang.
In der Flugzeuguhrmacherei war die zentrale Position des Sekundenzeigers mit dem Hacking verbunden: den Zeiger stoppen, um ihn mit einem Funksignal zu synchronisieren, erfordert, dass dieser Zeiger sichtbar und eindeutig ist. Ein Sekundenzeiger um 6 Uhr auf einem vollen Zifferblatt, im Cockpit, mit Handschuhen, ist ein Problem. In der Mitte ist es keines.
Ich weiß nicht, ob das IWC-Kaliber 61, oft als erstes IWC-Armbanduhrwerk mit Zentralsekunde zitiert, wirklich absolute Priorität in dieser Kategorie hat: die Patentgeschichte der Zentralsekunde in Armbanduhrkalibern der 1930er und 1940er Jahre ist kompliziert, und ich vertraue absoluten Erstgeburtsklaimen ohne direkte Dokumentation nicht.