Almanacco del Cinturino

Rotor

Der Rotor ist die oszillierende Masse, die bei automatischen Uhrwerken die Handbewegung in eine Aufzugsladung der Triebfeder umwandelt. Er ist kein passives Bauteil: Seine Geometrie, sein Material und seine Positionierung bestimmen die Aufzugseffizienz, die Kaliber-Dicke und zunehmend auch die durch das Saphir-Boden-Glas sichtbare Ästhetik.

Die häufigste Konfiguration ist der zentrale Rotor, der koaxial zum Uhrwerk montiert und frei 360 Grad rotierbar ist. Das Aufziehen kann in eine Richtung oder beide erfolgen: Bidirektionale Systeme wie der von IWC Ende der Vierzigerjahre entwickelte Pellaton nutzen jede Oszillation unabhängig von der Richtung und verbessern die Gesamteffizienz. Moderne Versionen des Pellaton ersetzen kritische Verschleißpunkte durch Keramikkomponenten.

Der Mikro-Rotor ist ein Rotor mit reduzierten Abmessungen, oft exzentrisch zur Kaliber-Mitte positioniert. Er reduziert die Uhrdicke ohne auf die Automatik zu verzichten: Beispiele sind das Kaliber SXH5 aus Platin oder das PF052 mit fein verziertem 22er Gold. Der periphere Rotor ist dagegen am Umfang des Uhrwerks montiert, lässt die Mitte optisch frei und trägt ebenfalls zur Dickereduzierung bei, wie beim Breguet 581DPE.

Das Material beeinflusst die Effizienz direkt: Wolfram, sehr dicht, maximiert den Drehimpuls bei gleichen Abmessungen; Platin bietet ähnliche Dichte mit besserer Korrosionsbeständigkeit; 22er Gold ist eine traditionellere Wahl, häufig bei Manufakturen, die auf die Lesbarkeit des Kalibers vom Boden aus achten. Rose- oder Rhodium-Beschichtung ist dagegen eine ästhetische Wahl über einer funktionalen Masse aus anderem Material.

Die Skeletierung des Rotors, teilweise oder komplett, verfolgt zwei nicht immer zusammenfallende Ziele: Massenreduktion (mit Effizienzeinbußen) und Blick auf unterliegende Komponenten. Im Chronoswiss Small Second hat der durchbrochene Wolfram-Rotor ein Kugellager; in der Urwerk UR-150 Scorpion regelt ein Doppel-Turbinen-Mechanismus die Geschwindigkeit des skelettierten Rotors, um Überaufzug durch ruckartige Bewegungen zu vermeiden. Das sind gegensätzliche Lösungen: eine maximiert Sichtbarkeit, die andere kontrolliert die Aufzugsdynamik.

Designseitig nutzen manche Manufakturen den Rotor als Kommunikationsfläche: das blaue PVD Bristol Flower Motiv, die W-Form von Raymond Weil, die Fibonacci-Spiralen des Bianchet UltraFino, die Bergkamm-Profile von Norqain. Der 1995 von Perrelet patentierte Double Rotor fügt einen zweiten, auf dem Zifferblatt sichtbaren Rotor hinzu, mechanisch mit dem hinteren verbunden. Das sind Identitätswahl, keine Funktionswahl. Von meiner Werkbank erkenne ich sie sofort: Ein gut ausgewogener Rotor läuft mit gleichmäßiger Trägheit und stoppt ohne Rückprall.

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