Almanacco del Cinturino

Rigatura di Glashütte

Die Glashütter Streifen — im Englischen Glashütte ribbing oder Glashütte stripes — sind keine nachträglich aufgebrachte Dekoration: sie sind eine strukturell in die sächsische Konstruktionstradition integrierte Finish-Technik, die durch manuelles Kratzen auf der Platine des Uhrwerks ausgeführt wird. Das Ergebnis ist eine Serie äußerst feiner und regelmäßiger paralleler Rillen, die einen Tiefeneffekt und eine Lichtvarianz erzeugen, die durch mechanisches Fräsen unmöglich zu erreichen ist.

Die Technik gehört zur sogenannten German School of Watchmaking, die im späten neunzehnten Jahrhundert in Glashütte entstand. In dieser Schule war die Oberflächenfinition kein Schmuck: sie war die Art und Weise, die Beherrschung der Werkzeuge und die Kontrolle der Hand zu demonstrieren. Jede fehlerhafte Rille zwingt dazu, die gesamte Oberfläche neu zu bearbeiten. Aus diesem Grund ist die Riffelung noch heute eines der direktesten Erkennungszeichen für die Bewertung des Verarbeitungsniveaus eines deutschen Uhrwerks: man sieht es, aber vor allem erkennt man, wenn es gut gemacht ist.

In der heutigen Praxis finden wir sie systematisch bei Nomos Glashütte, A. Lange & Söhne und Union Glashütte, unter anderem. Beim Kaliber L152.1 von A. Lange & Söhne erscheinen die Glashütter Streifen auf der Dreiviertels-Platine aus Deutsches Silber, einer Nickel-Kupfer-Zink-Legierung in warmer Champagnerfarbe, die historisch in Glashütte anstelle des französischen Maillechorts verwendet wurde. Bei Nomos-Kaliber — wie dem Alpha oder dem im Ludwig neomatik verwendeten Kaliber — erscheinen die Streifen sowohl auf der Dreiviertels-Platine als auch häufig auf dem Rotor.

Die Kombination Glashütter Streifen + Dreiviertels-Platine + blauangelassene Kugelkopfschrauben + Perlage auf den unteren Platinen bildet das, was sächsische Uhrmacher informell das traditionelle Finishing-Paket nennen. Nicht alle vier Elemente müssen gleichzeitig vorhanden sein, aber wenn sie es sind, handelt es sich fast immer um ein Uhrwerk, das in Glashütte produziert oder fertiggestellt wurde.

Eine Präzisierung, die ich immer an der Werkbank mache: die Glashütter Streifen haben eine andere Steigung und Rillenbreite als die Genfer Streifen. Genfer Streifen verlaufen schräg zur Achse des Bauteils; die sächsische Riffelung ist tendentiell parallel zu den langen Kanten der Platine, mit engeren und weniger tiefen Rillen. Der Unterschied ist mit bloßem Auge mit einer guten Lupe sichtbar.

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