Almanacco del Cinturino

Nomos Swing System

Das Nomos Swing System ist das proprietäre Schlepphemmwerk, das Nomos Glashütte über sieben Jahre Forschung hinweg entwickelte und 2014 offiziell präsentierte. Davor kaufte Nomos Schlepphemmwerke von externen Lieferanten, angeführt von ETA: eine unter vielen mittleren deutschen Manufakturen verbreitete Abhängigkeit, aber unvereinbar mit den Bestrebungen der Eigenproduktion, die die Marke seit der Wiedereröffnung der Glashütter Werke 1990 verfolgte.

Das sichtbarste Element des Systems ist die blau gefärbte Unruhspirale, die durch den Saphirboden mit bloßem Auge erkennbar ist. Dies ist keine bloße Verzierung: die kontrollierte Temperatur verändert die Mikrostruktur des Spiraldrahts und beeinflusst direkt seine Elastizität, mit konkreten Auswirkungen auf die Gangkonstanz. Die chromatische Signatur wird somit zu einem technischen Indikator neben dem ästhetischen.

Das System wird in mehreren Kaliber des Hauses verbaut, darunter das DUW 3001 — das ultraflache automatische Werk, das in den Neomatik-Versionen verwendet wird — und das DUW 6101. Der Begriff Neomatik bezeichnet in der Nomos-Nomenklatur die Eigenentwicklungen mit Silizium-Basis, im Gegensatz zu Handaufzugskaliber wie dem Alpha, das auf der Peseux-Architektur basiert und das Swing System nicht in seiner Originalversion trägt.

Bei den Finissierungen tragen die Nomos-Werke, die das proprietäre Schlepphemmwerk beherbergen, auch die typischen Verzierungen der Glashütter Tradition: die parallelen Körnungen namens Glashütte Ribbing und die Perlage auf bearbeiteten Oberflächen, auf rhodinierten Platinen. Dies sind sichtbare Finissierungen, nicht verborgene, im Einklang mit der Bauhaus-Philosophie, die das externe Design der Modelle leitet: Reduktion aufs Wesentliche, Lesbarkeit der Struktur.

Von der Werkbank aus füge ich eine Präzisierung hinzu, die Quellen verwirrend behandeln: Einige Noten beschreiben das Nomos Swing System als «Reguliersystem» oder «Regulator», andere korrekt als «Schlepphemmwerk». Es ist ein Ankerschlepphemmwerk — es umfasst also Anker, Flugrad und Unruhspirale — nicht bloß ein Frequenzregulierungssystem. Die Unterscheidung zählt bei der Bewertung des tatsächlichen Grads der vertikalen Integration der Manufaktur.

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