In der Uhrmacherei beschreibt der Begriff Mobil nicht eine einzelne Komponente: Er bezeichnet jedes Element, das sich nach seiner eigenen Logik bewegt, unabhängig vom einfachen Antrieb der Zeiger. Das Verständnis, welche Art von Mobil gemeint ist, ist der erste Schritt zum korrekten Lesen eines Technischen Datenblatts oder Auktionskatalogs.
Der unmittelbarste Fall ist der Laufzeiger: Bei der Breguet 5887 und anderen Uhren mit instantaner Zeitgleichung läuft ein Zeiger vor oder hinter der Zivilzeit, um die Differenz zur Sonnenzeit anzuzeigen. «Laufzeiger» ist treffend, weil er nicht auf einem festen Sektor arretiert ist, sondern im Laufe des Jahres das gesamte Zifferblatt durchläuft.
Unterschiedlich ist die bewegliche Brücke des Freak von Ulysse Nardin: Hier gibt es keinen Zeiger im klassischen Sinne. Die Brücke ist mit dem Federhaus solidarisch und führt alle zwölf Stunden eine Drehung aus, wobei sie auf einem internen Zahnrad im Gehäuse gleitet. Die Zeitanzeige wird so Teil der strukturellen Mechanik, nicht ein aufgesetztes Element.
Im Bereich der Steuerung ist das Säulenrad — oft als Column-Wheel bezeichnet — das Mobil, das die Druckknopfbefehle in einem Chronographen verteilt, den Verschleiß gegenüber Nockensystemen reduziert und eine zuverlässigere Wiederholbarkeit über lange Zeit gewährleistet. Bei der Rattrapante oder Doppelsekundenchronograph ermöglicht der zusätzliche Schaltmechanismus, einen der beiden Sekundenzeiger zu stoppen, um Zwischenzeiten zu erfassen, während der andere weiterläuft.
Die bewegliche GMT-Scheibe in hochwertigen GMT-Uhren ermöglicht dem Zeiger der zweiten Zeitzone, unabhängig zu springen: Im Gegensatz zu günstigeren Lösungen, bei denen der GMT-Zeiger mit den Ortszeiten mitschleift, ist hier die Achse getrennt und der Sprung ist sauber, stundengenaue.
Es gibt auch Mobils, die ins Automaton übergehen: Artikulierte Figuren, Zungen, Libellenflügel, Kreaturen, die sich öffnen, um das Zifferblatt in Secret Watches zu enthüllen. Hier zeigt das Mobil nichts im eigentlichen Sinne an — oder zeigt etwas Nebensächliches — beweist aber, dass die Uhr genug Energie und Hebelwirkung hat, um komplexe dekorative Mechaniken anzutreiben. Die Herstellungskosten dieser Elemente übersteigen oft die klassischer Uhrenverwicklungen, eben weil sie Bewegungstoleranzen, aber Skulpturenformen erfordern.
Ein extremer Fall ist die bewegliche Kardan-Aufhängung des Tourbillons von Greubel Forsey, bei dem zwei um 90° angelenkte Ringe den gesamten Käfig alle 48 Sekunden neigen: Das Mobil misst nicht die Zeit, es bewahrt sie vor Gravitationsdrift auf mehreren Achsen gleichzeitig. Die Trägheitsmassen am Unruh mit beweglicher Spiralfeder des Holthinrichs sind hingegen mikroskopische Mobils: kleine Gegengewichte, die die Frequenz regulieren, ohne die Spiralfeder zu berühren, mit Vorteilen bei der thermischen Kompensation, die nur bei verlängerten Messungen auf der Regulierbank sichtbar werden.