Almanacco del Cinturino

Marcatura

Bei einer Uhr ist die Markierung keine Dekoration: Sie ist Dokumentation. Jede Gravur, jeder Druck oder jede Anwendung auf dem Zifferblatt, dem Gehäuse oder dem Gehäuseboden beglaubigt etwas — die Herkunft, das Material, die Verwendungsbestimmung, den Besitz. Sie zu ignorieren bedeutet, einen Text zu lesen und dabei die Fußnoten zu überspringen.

Herkunftsmarkierungen sind am verbreitetsten. «Swiss Made» auf dem Zifferblatt hat Rechtskraft: Die Schweizer Gesetzgebung schreibt vor, dass mindestens 60% der Produktionskosten in der Schweiz anfallen und das Uhrwerk als Schweizer zertifiziert ist. Einige Manufakturen bevorzugen ihre eigenen Varianten: Louis Vuitton schreibt «Fab. En Suisse» auf dem Zifferblatt der Escale und verknüpft die Uhr damit explizit mit der Manufaktur La Fabrique du Temps. Omega verwendete «T SWISS MADE T» oder «SWISS MADE» auf der Speedmaster 105.003 je nach Seriennummer, und diese Variation hilft heute bei der Datierung von Vintage-Exemplaren. «OM» auf dem Zifferblatt einer Speedmaster steht dagegen für «Or Massif»: Feingold, nicht vergoldet.

Feingehaltsmarkierungen betreffen Edelmetalle. «Au 916» auf einem Rotor zeigt eine Legierung mit 91,6% reinem Gold an, was 22 Karat entspricht. Auf dem Gehäuseboden einer amerikanischen Curvex aus den 1930er Jahren identifiziert das «W» den Gehäusehersteller — Wadsworth Watch Case Co. — und war immer von der Feingehaltsmarke des Goldes begleitet.

Im militärischen Kontext wird die Markierung zum Code. Der Broad Arrow, auch Pheon genannt, ist das Wappensymbol der Britischen Krone: Auf den Dirty Dozen der Zweiten Weltkrieg eingraviert, bescheinigt er, dass die Uhr Eigentum der britischen Regierung war. Auf derselben Familie von Uhren erscheint «W W W» — Wrist Watch Waterproof — als standardisierte Funktionsbezeichnung. Zifferblätter, die mit Tritium luminisiert sind, tragen «T», «T 25» oder «3H»: Markierungen, die entstanden, um Tritium von Radium zu unterscheiden, das in den USA seit 1968 verboten ist. Laco-Fliegeruhren tragen «Beobachtungsuhr», «Flieger» und die Luftwaffen-Vertragsnummer FL 23883 — ein militärisches Verfolgungssystem, das heute die Authentizität von Originalexemplaren überprüfen lässt.

Die Cartouche-Methode ist eine historische Technik der Zifferblattmarkierung: Eine kleine Metallplakette wurde mit dem Markennamen oder numerischen Indizes graviert und dann auf die Oberfläche aufgebracht. Einige Manufakturen nutzen sie noch. Das «Chemin de Fer» — wörtlich Eisenbahn — ist dagegen eine grafische Markierung: Ein Band aus regelmäßigen Segmenten, das entlang des Randes des Zifferblatts oder der Lünette verläuft und verwendet wird, um Minuten und Sekunden mit optischer Präzision zu markieren. Der Begriff bezeichnet sowohl das Motiv als auch die Anwendungstechnik.

Die Bezeichnung «double-signed» erscheint, wenn auf dem Gehäuse oder Zifferblatt zwei unterschiedliche Marken vorhanden sind. Auf der Grand Seiko SBGS009 sind sowohl «Seiko» als auch «Grand Seiko» eingraviert: eine Übergangskennzeichnung, die den Moment dokumentiert, als Grand Seiko seine eigene kommerzielle Unabhängigkeit erlangte. Für diejenigen, die mit Vintage-Uhren arbeiten, sind diese überlagerten Signaturen präzise chronologische Hinweise.

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