Lume ist das photolumineszente Material, das auf Indizes und Zeiger aufgebracht wird, um die Uhrzeit bei Abwesenheit von Licht lesbar zu machen. Es ist nicht einfach eine beliebige phosphoreszierende Farbe: Sie absorbiert Lichtenergie — Sonnenlicht oder künstliches Licht — und gibt sie schrittweise als sichtbares Licht im Dunkeln ab. Die Dauer und Intensität des Glow hängen von der chemischen Formel, der Belichtungszeit und der Schichtdicke ab.
Die heute am weitesten verbreitete Verbindung ist Super-LumiNova, hergestellt von dem Schweizer Unternehmen RC Tritec, auf Basis von Strontiumaluminat, das mit seltenen Erden dotiert ist. Es ist nicht radioaktiv — eine grundlegende Unterscheidung zu Radium und Tritium, die Jahrzehnte lang bis in die 1990er Jahre verwendet wurden. Es gibt viele Varianten: BGW9 leuchtet tagsüber weiß und nachts grün, ist die hellste und am häufigsten auf Werkzeuguhren verwendet. SLN-C1 leuchtet blau, hat einen längeren Glow, aber weniger Intensität anfangs. X1 neigt zum warmen Beige, oft für Zifferblätter mit Vintage-Inspiration gewählt. X2, unter anderem von Panerai verwendet, ermöglicht die Farbdifferenzierung zwischen Zeigern und Indizes auf demselben Zifferblatt. Grade A zeigt einfach hohe Ladequalität an; es ist keine separate Formel.
Die Aufbringtechnik verändert alles. Bei Einstiegs- und Mittelklasse-Modellen wird Lume flach bedruckt. Bei hochwertigeren Uhren wird es von Hand aufgebracht, wobei versenkte Indizes im Zifferblatt oder in den Zeiger eingelassene Bereiche mit einem Spachtel gefüllt werden. Das sogenannte Solid Lume — eine Mischung aus lumineszent und Keramik — ermöglicht erhebliche Schichtdicken: Tagsüber wirkt der Index kompakt und dreidimensional, im Dunkeln sorgt die Materialmasse für längeres Glow. Das Sandwich-Zifferblatt führt das Konzept weiter: Das Lume wird auf einer separaten unteren Platte aufgetragen, sichtbar durch die Ausschnitte des oberen Zifferblatts. Panerai hat auf diesem System eine ganze ästhetische Identität aufgebaut.
Einige Hersteller produzieren proprietäre Formeln. Rolex nennt die Seinige Chromalight: Sie leuchtet blau, mit behaupteter Dauer doppelt so lange wie Standard-Grün. Seiko verwendet Lumibrite. In beiden Fällen bleibt die chemische Basis Strontiumaluminat; die Anteile und Dotierstoffe ändern sich, um Farbe, Dauer und Zeitstabilität zu optimieren.
Beim Vintage-Sammeln gilt ein besonderer Vermerk. Die Panerai Luminor-Uhren von 1993 mit sogenannten Non-Matching-Zifferblättern sind ein Lehrbuchfall: Der zum Fixieren des Tritiums verwendete Lack reagierte chemisch mit dem radioaktiven Material und verfärbte die Ziffern ins Orange, während die Zeiger hellgrün blieben. Panerai eliminierte später den Lack, aber diese unregelmäßigen Exemplare sind heute unter den meistgesuchten. Es ist das Paradoxon des Sammelns: Ein Produktionsfehler wird zu einem historischen Dokument.