Landeron ist kein Kaliber: Es ist eine Manufaktur, die 1873 im Kanton Neuenburg gegründet wurde und mehr Chronographenkaliber produzierte als jeder andere unabhängige Schweizer Uhrenmacher des 20. Jahrhunderts. Sie trat 1927 dem Ebauches-SA-Konsortium bei – dem Zusammenschluss, der später zu ETA und schließlich zur Swatch Group wurde – und blieb bis zur Quarz-Krise aktiv und hinterließ Zehner von Millionen von Exemplaren im Umlauf.
Landerons bedeutendste technische Leistung ist der Nockenmechanismus, genannt Cam-Lever, entwickelt von Charles Hahn und Marcel Dèpraz. Anstatt das Säulenrad zur Steuerung der Start-Stopp-Reset-Sequenzen zu verwenden, verlässt sich der Cam-Lever auf ein geformtes Profil, das die Chronographenhebel direkt lenkt. Das Ergebnis ist ein knackigeres Klicken, weniger progressiv als das eines Säulenrads, und ein Tastgefühl, das Puristen als minderwertig beurteilen. Dafür aber: weniger Teile, weniger Zerbrechlichkeit bei der Überholung, deutlich niedrigere Herstellungskosten. Dies ermöglichte es Landeron, die mechanische Chronographen in Preisklassen zu bringen, die Venus, Valjoux und Lemania nicht hätten erreichen können.
Die am weitesten verbreiteten Kaliber sind die 148 und 248. Das 148 ist der Stammvater der zweitastigen Serie; das 248, das zwischen 1937 und 1970 in über 3,5 Millionen Exemplaren produziert wurde, ist seine direkte Weiterentwicklung. Beide sind Handaufzug, beide mit Nockenmechanismus. Das 149 erscheint in den 1970er Jahren auf Marken wie Gallet: konstruktiv interessant, aber auf dem heutigen Markt weniger gesucht als Venus-Kaliber aus demselben Zeitraum. Das 251 verdient eine gesonderte Erwähnung: Es ist in bestimmten Nicolet-Uhren ohne Seitentaster verbaut, bei denen Start, Stopp und Reset des Chronographen alle über die Krone laufen – eine ungewöhnliche mechanische Lösung, die das Auffinden des Stücks lohnt.
Das Landeron 58 ist ein anderer Fall: Es ist kein Chronograph, sondern ein vollständiger Kalender, bei dem die Lünette drei Funktionen steuert – Monat bei 2 Uhr, Datum bei 6 Uhr, Tag bei 10 Uhr – durch Klicks gegen den Uhrzeigersinn in festen Positionen. Wer das nicht weiß, zieht oder dreht die Krone oder Lünette oft in die falsche Richtung.
2018 erwarb DEPA Swiss Movements die Marke und führte sie mit aus dem ETA 2824-2 abgeleiteten Kaliber wieder ein, darunter das sogenannte Landeron 24, das die Sekunden auf ein Zifferblatt bei 9 Uhr umpositioniert. Ich habe keine direkten Daten zur aktuellen Produktionsqualität jenseits dessen, was Vertreiber berichten: Ich ziehe es vor, mich nicht festzulegen. Was ich sagen kann, ist, dass der historische Name mit sich präzise Erwartungen trägt, und der Vintage-Markt betrachtet Original-Landeron-Stücke immer noch als Ladentisch-Bestände, nicht als Regalbestände.