Der Begriff waterproof und seine deutsche Übersetzung «wasserdicht» hatten im 20. Jahrhundert ein sehr unterschiedliches technisches und kommerzielles Gewicht im Vergleich zu dem, das die heutige Sprache water resistant zuweist. Dies ist keine semantische Frage: Es ist eine Geschichte von Patenten, Vorschriften und Marketing, die jeder kennen muss, der Vintage-Uhren kauft oder verkauft.
Der normative Wendepunkt kommt 1970, als Seiko Gehäuse und Zifferblätter ändert, um die amerikanische Gesetzgebung zu erfüllen, die die Verwendung von waterproof als unmögliche absolute Garantie verbietet. Von diesem Moment an wird water resistant zum internationalen Standard. Pre-1970 Seiko-Gehäuse mit der ursprünglichen Bezeichnung sind systematisch stärker von Sammlern gesucht, nicht aus Nostalgie, sondern weil diese Markierung eine bestimmte Produktionsgeneration kennzeichnet.
Im britischen Militärbereich erscheint das Akronym W.W.W. — Quellen belegen sowohl Wrist Watch Waterproof als auch Watch Wristlet Waterproof, beide in zeitgenössischen Dokumenten zirkulierend — graviert auf dem Gehäuseboden von Uhren, die 1945 vom Ministry of Defence in Auftrag gegeben wurden, um die früheren A.T.P. zu ersetzen. Diese Stücke, zwölf Referenzen von ebenso vielen Schweizer Herstellern, sind heute unter dem Namen Dirty Dozen bekannt. Auf dem Gehäuseboden wird das Akronym oft von drei Impressionen des Broad Arrow, des Pheon, Symbol des britischen Kroneneigentums, begleitet.
Vom konstruktiven Standpunkt aus wird die Wasserdichtheit durch sehr unterschiedliche Systeme erreicht. Die Schraubkrone (screw-down crown) drückt eine Dichtung gegen das Gehäuse und erzeugt so ein positives mechanisches Siegel: Dies ist die Lösung, die bei Tauchuhren verwendet wird. Es gibt jedoch alternative Ansätze: Das Schweizer Patent 189190 von Schmitz Frères (1939) für die Gallet Multichron verwendet ein Clamshell-Gehäuse, in dem ein Eimerboden in den vorderen Teil gleitet, wobei vier im Gehäusesteg versteckte Schrauben die beiden Abschnitte komprimieren, ohne sichtbare Schrauben auf dem Gehäuseboden. Das Bulova capsule-type casing-System, Fachon-Patent von 1959, bildet stattdessen eine einheitliche Kapsel aus Werk, Zifferblatt und Kristall, die sich in eine externe Lünette mit integrierten Gehäusestegen einfügt: Die Rillen des Kristalls richten sich an erhöhten Ringen am Gehäuse aus und garantieren Wasserdichtheit ohne externe Schrauben. Neuere Systeme wie die dreifachen Dichtungen der MING 22.01 GMT-Krone erreichen hohen Schutz ohne Schraubkrone.
An der Werkbank lerne ich jedes Mal noch etwas Neues, wenn ich ein Gehäuse aus den Fünfzigerjahren öffne: Die ursprüngliche Dichtung ist fast immer verhärtet oder fehlt. Eine waterproof-Erklärung auf dem Zifferblatt und tatsächliche Wasserdichtheit sind zwei verschiedene Dinge. Vor dem Eintauchen — auch in Leitungswasser — ist eine Überholung der Dichtungen die einzige konkrete Garantie, unabhängig davon, was auf dem Zifferblatt steht.