Die Lünette ist der Ring, der um das Kristallglas läuft, entweder fest oder drehbar, und bestimmt einen wesentlichen Teil der Funktionalität und Geometrie der Uhr. Es ist kein Schmuck: es ist Struktur. Der Unterschied, der wirklich zählt, an der Werkbank, ist zwischen fester und drehbarer Lünette, und innerhalb der letzteren zwischen unidirektionaler und bidirektionaler.
Die feste Lünette bewegt sich nicht. Sie kann eine gravierte oder gedruckte Tachymeter-Skala tragen oder glatt oder geriffelt sein wie bei der Datejust: in diesem Fall ist die Wahl taktil und ästhetisch, nicht funktional. Bei der Milgauss 6541 diente die feste sechsteilige Lünette als Leseskala für wissenschaftliche Intervalle, aber ihr praktischer Nutzen war damals bereits fragwürdig.
Die unidirektionale Lünette ist der Standard bei professionellen Tauchuhren. Sie dreht sich nur gegen den Uhrzeigersinn, und zwar aus gutem Grund: Bei versehentlichem Stoß verschiebt sich die Referenzmarke zu kürzeren Restzeiten, nie zu längeren. Ein Fehler reduziert die gemessene Zeit, verlängert sie nicht. Das ist das Sicherheitsprinzip. Einige Hersteller fügen mechanische Sperrsysteme hinzu — das sogenannte Aqua-Lock — um jede unbeabsichtigte Drehung während des Tauchgangs zu verhindern. Die Anzahl der Klicks pro Umdrehung variiert: 60 ist der ISO-Standard, 120 Klicks wie bei der Nezumi Baleine geben Inkremente von 3° für feinere Einstellungen.
Die bidirektionale Lünette dreht sich in beide Richtungen und ist typisch für GMT- und Fliegeruhren: sie dient zum Ablesen einer zweiten Zeitzone auf einer 12- oder 24-Stunden-Skala. Die Fortis F-39 und F-41 verwenden 24 Klicks — einen alle 15 Minuten — mit DLC-Beschichtung für Widerstandsfähigkeit und Lesbarkeit unter schwierigen Bedingungen. Die Rolex GMT-Master II hat ebenfalls eine bidirektionale Lünette mit zweiteiligem keramischem Cerachrom-Einsatz.
Das Material des Einsatzes verändert alles. Rolexs Cerachrom-Keramik verliert unter UV-Strahlung nicht an Farbe und widersteht Kratzern. Eloxiertes Aluminium ist wirtschaftlicher, zerkratzt aber leicht. Die Kurono Diver verwendet Extra Super Duralumin, eine Legierung mit hoher Widerstandsfähigkeit gegen Salzkorrosion, um das Gewicht zu reduzieren. DLC auf Stahl aufgetragen bietet Härte ohne zusätzliche Masse.
Es gibt auch innere Lünetten, die von einer Sekundärkrone betätigt werden: Seikos Alpinist und Longines' Legend Diver sind klassische Beispiele. Sie schützen die Skala vor externem Druck und verhindern unbeabsichtigte Drehungen beim Tauchen. Die Technik der lasergeschnittenen Kanäle auf der Rückseite des Saphirkristalls, wie in der Ming 37.06, ermöglicht es dagegen, leuchtendes Material in der Lünette zu halten, ohne es auf dem Zifferblatt zu platzieren: es ist eine neue Lösung, noch Nischenprodukt.