Almanacco del Cinturino

Fotoluminescenza

Photolumineszenz in der Uhrmacherei ist nicht ein einziger Stoff: Es ist eine Familie von Materialien, die Photonen absorbieren und nach dem Verschwinden der Lichtquelle wieder abgeben. Der Begriff, den man an der Theke am häufigsten hört, ist lume, ein mittlerweile im allgemeinen Sprachgebrauch etabliertes Anglizismus, aber das korrekte technische Konzept ist eben Photolumineszenz — zu unterscheiden von der Radioaktivität Phosphoreszenz, die bis in die sechziger Jahre verwendet wurde.

Der Durchbruch kam 1993 mit Super-LumiNova, entwickelt vom japanischen Unternehmen Nemoto & Co. und von RC Tritec in Europa vertrieben. Die Basisformel ist Strontiumaluminat, dotiert mit Europium: kein Radium, kein Tritium, keine eigene Energiequelle. Das Material funktioniert nur, wenn es geladen ist — Sonnenlicht, künstliches Licht, selbst eine UV-Taschenlampe genügt wenige Sekunden. Die Emission klingt dann mit der Zeit ab: Die erste halbe Stunde ist am intensivsten, dann nimmt der Glanz progressiv ab. Dies ist die physikalische Grenze des Systems, und wer Ihnen etwas anderes sagt, verkauft Ihnen etwas.

Im Laufe der Zeit sind Varianten mit unterschiedlichen Leistungen entstanden. C1 strahlt gelbgrün aus, C3 leuchtendes Grün, BGW9 blauwhite — letztere ist zum Maßstab für Werkzeuguhren geworden, weil der Farbton auch bei niedriger Intensität gut lesbar ist. X1, kürzlich eingeführt, beansprucht eine um 60% höhere Lichtemission im Vergleich zur Standardversion; ich habe sie auf Zifferblättern, Lünetten und Zeigern in Kombination angebracht gesehen, wo die Überlagerung der Quellen wirklich hilft die Lesbarkeit zu verbessern. Dann gibt es Super-LumiNova, die als Tageslicht-Dekorpigment verwendet wird — weiß, grün, orange — wobei die nächtliche Lumineszenz eine sekundäre, nicht primäre Funktion ist.

Die Anwendung zählt genauso wie die Formel. Das Lume kann direkt auf das bedruckte Zifferblatt gemalt, in einen hohlen aufgebrachten Index gefüllt oder in einen gefrästen Zeiger mit eigens dafür vorgesehener Aufnahme eingesetzt werden. Die Schichtdicke beeinflusst die Emission: Zu dünn und das Photonenreservoir ist gering; zu dick und die Paste kann mit der Zeit reißen, besonders bei Zeigern, die Vibrationen ausgesetzt sind. Auf galvanischen oder emaillierten Zifferblättern wird das Lume in spezielle Nischen angebracht, da die Oberfläche das Bindemittel nicht absorbiert.

Eine Sache, die ich oft missverstanden sehe: Die Farbe, die Sie tagsüber sehen, und die Farbe, die im Dunkeln ausgestrahlt wird, stimmen nicht unbedingt überein. Ein Zeiger mit weißem Lume tagsüber kann nachts intensives Grün ausstrahlen. Wer eine Uhr auch wegen ihrer nächtlichen Ästhetik auswählt, sollte das vorher wissen.

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