Almanacco del Cinturino

Durezza

In der Uhrmacherei ist Härte keine absolute Eigenschaft des Rohmaterials: Sie ist fast immer das Ergebnis einer Oberflächenbehandlung, die auf ein weicheres Substrat aufgebracht wird. Das Verständnis dieser Unterscheidung macht einen Unterschied bei der Auswahl einer Uhr für intensive tägliche Nutzung.

Die beiden Skalen, auf die Sie am häufigsten stoßen, sind Mohs und Vickers. Die Mohs-Skala ist ordinal und vergleichend: Sie reicht von 1 (Talk) bis 10 (Diamant) und misst die relative Kratzerbeständigkeit zwischen Mineralien. Gewöhnliches Mineralglas liegt bei etwa 5, synthetischer Saphirkristall (Korund, Aluminiumoxid) erreicht 9 und kann nur von Bornitrid oder Diamant selbst gekratzt werden. Acryl bleibt bei 3-4, es zerkratzt leicht, lässt sich aber mit Produkten wie PolyWatch genauso leicht polieren. Die Vickers-Skala dagegen ist quantitativ: Sie misst die Eindringungsbeständigkeit auf Metallen und Beschichtungen und ist diejenige, die Hersteller in technischen Datenblättern angeben. 316L-Edelstahl liegt in der unbehandelten Version bei etwa 150-200 HV.

Beschichtungen ändern alles. DLC (Diamond-Like Carbon) ist amorpher Kohlenstoff, der in der Dampfphase abgeschieden wird: In der Dianoir-Version einiger Hersteller erreicht er 4.500 HV, etwa zwanzigmal nackter Stahl. PVD (Physical Vapor Deposition) ist eine breitere Kategorie, die auch Titankarbid umfasst, das zur Erzielung schwarzer Oberflächen und zusätzlichem Schutz von Titan verwendet wird. Die UltraHex-Beschichtung auf einigen Titaniumgehäusen beansprucht 1.200 HV, achtmal 316L-Stahl. Citizens Super Titanium, das Titan mit dem Duratect-Prozess kombiniert, erreicht 1.700-2.300 HV und behält gleichzeitig den Gewichtsvorteil von Titan. Formex bringt Grad-2-Titan von 145 HV auf 900 HV mit spezifischer Härtung.

Es gibt jedoch auch massiv hochharte Materialien ohne Beschichtung. Technische Keramik aus Zirkonoxid (ZrO2) hat eine intrinsische Härte von etwa 1.300 HV und erfordert Diamantwerkzeuge zur Bearbeitung. Das von Bvlgari in der Platinfassung der Octo Finissimo Ultra verwendete Wolframkarbid ist ein anderer Fall: Hier dient extreme Härte der strukturellen Steifigkeit bei minimalen Dicken, nicht nur der Oberflächenbeständigkeit. Chopards Lucent Steel ist eine proprietäre Legierung, die um 50% härter als herkömmlicher Stahl sein soll und dennoch in jeder Hinsicht Stahl bleibt.

Ein Detail, das mir an der Theke oft auffällt: Hohe Härte und hohe Sprödigkeit gehen oft zusammen. Keramik und Wolframkarbid widerstehen Kratzern außerordentlich, aber ein scharfer Schlag auf eine Kante kann sie absplittern. Unbehandelter Stahl zerkratzt früher, absorbiert Schläge aber besser. Es ist ein Kompromiss, den jeder Hersteller auf seine Weise löst und den es zu verstehen lohnt, bevor man sich entscheidet.

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