Almanacco del Cinturino

cristallo acrilico

Acrylkristall ist das Material, das ich in dreißig Jahren an der Werkbank am häufigsten demontiert habe: Polymethylmethacrylat, das gleiche Polymer wie Plexiglas, in Stärken und Profile kalibriert für jedes Gehäuse. Es ist kein Glas im chemischen Sinne, sondern ein transparenter organischer Thermoplast. Rolex nannte es Tropic bei den Submarinern der sechziger und siebziger Jahre, Omega markierte es als Hesalite bei der Speedmaster. Gleiches Material, unterschiedliche Handelsnamen.

Die Eigenschaft, die es wirklich auszeichnet, ist nicht die Kratzerbeständigkeit — sie ist gegenüber Mineral schlecht und gegenüber Saphir nicht vorhanden — sondern die Reaktion auf Schlag. Acryl verformt sich plastisch, statt zu splittern. Bei einem Taucher, der gegen einen Unterwasserfelsen prallt, ist das der Unterschied zwischen einem zerkratzten Kristall und einem, der im Gehäuse zerspringt. Es ist auch der Grund, warum Taucher in den sechziger Jahren eine ausgeprägte Wölbung tragen konnten: Das Material eignet sich zum Thermoformen besser als jedes Glas.

Die Wölbung, genannt domed, ist nicht rein ästhetisch. Sie erhöht das innere Volumen des Kristalls, reduziert schräge Reflexionen und — optisch — erzeugt eine leichte Vergrößerung des Zifferblatts, die viele Sammler als integralen Bestandteil des Lesens eines Vintage-Stücks betrachten. Die Speedmaster Hesalite hat genau diesen Effekt; die Saphir-Version nicht. Die Hesalite-Variante ist auch diejenige ohne transparenten Boden, da Omega die Kombination konstruktiv als kohärenter betrachtete.

Der Hauptmangel ist bekannt: Kratzer entstehen schnell. Die gute Nachricht ist, dass sie entfernt werden können. Produkte wie PolyWatch oder PlexiRevive sind Schleifmittel in Suspension: Man arbeitet kreisförmig mit einem weichen Tuch, bis die Emulsion aufgesogen ist und das Tuch leicht zu quietschen beginnt. Niemals auf Saphir verwenden — zu hart — oder auf behandeltem Mineral. Nur auf Acryl.

Mit diesem Material hohe Wasserdichtheit zu erreichen ist schwierig. Der Lorier Neptune schaffte es mit der Erklärung von 200 Metern, aber das ist ein fast isolierter Fall: Acryl ist weniger steif als Glas und verhält sich unter Druck anders, was die Dichtungsgröße erschwert. Bei Stücken wie der Alpina President, wo die Kristallform untypisch ist, ist der Austausch ein echtes Problem: Exemplare in NOS-Zustand sind gerade deshalb einen signifikanten Prozentsatz des Preises wert.

Unter dem Patina-Aspekt altert Acryl sichtbar: Es wird leicht trüb, entwickelt feinen Mikrokratzer, die Streifenlicht hervorhebt. Für einige Sammler ist das ein Mangel. Für mich ist es Dokumentation.

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