Almanacco del Cinturino

Carbon

In der Uhrmacherei fasst der Begriff "Kohlenstoff" mindestens drei verschiedene Dinge zusammen, und ihre Verwechslung ist ein Fehler, den ich sogar in Pressemitteilungen häufig sehe. Das erste ist traditionelle Kohlenstofffaser, in Blättern mit dem typischen 45°-Muster gewebt. Das zweite ist geschmiedeter Kohlenstoff, oder Forged Carbon. Das dritte ist DLC, Diamond-Like Carbon, bei dem es sich nicht um ein Strukturmaterial, sondern um eine Beschichtung handelt.

Geschmiedeter Kohlenstoff wird hergestellt, indem kurze Kohlenstofffasern zufällig in einer Form angeordnet, komprimiert und mit Harz injiziert werden. Das Pressen erfolgt unter Hitze. Das Ergebnis ist ein Verbundstoff mit unregelmäßiger Textur, nicht wiederholbar von Stück zu Stück, was ihn visuell vom klassischen Gewebe unterscheidet. Artya verwendet ihn auch in leuchtenden Farben — Blau, Orange, Rot — gerade weil die Harzmatrix pigmentiert werden kann. Das spezifische Gewicht ist gering, die Stoßfestigkeit ist gut, aber es gibt eine praktische Grenze: geschmiedeter Kohlenstoff verträgt keine Gewinde. Deshalb bleibt der Gewindering für den Boden oder die Lünette fast immer aus Stahl oder Titan. Tissot hat es mit der PRX Forged Carbon so gelöst: Der Zentralzylinder, der die Bewegung beherbergt, der Boden und das Glas sind aus PVD-Stahl, während Mittelteil und äußere Lünette aus Kunststoff sind. Richard Mille arbeitet mit Carbon TPT stattdessen an orientierten Schichten und patentiert ein anderes Verfahren als das Schmieden: parallele Fasern, geneigte Schichten, kontrollierte Struktur.

DLC ist eine andere Geschichte. Es ist eine extrem dünne Beschichtung — in der Größenordnung von Mikrometern — die in der Gasphase auf Stahl oder Titan abgelagert wird. Die Oberflächenhärte ist sehr hoch, höher als unbehandelter Stahl. Sie absorbiert Licht stärker als sie es reflektiert, was das matte oder anthrazitfarbene Aussehen bei vielen Sportuhren erklärt. Je nach Oberflächenfinish kann sie glänzend oder gebürstet sein: DLC reproduziert die Textur des darunter liegenden Metalls, es transformiert sie nicht. Sie wird auf Gehäuse, Lünette, Krone, Boden und Schließe aufgetragen. Sie ist nicht ewig haltbar: an scharfen Kanten und Reibungsstellen verschleißt sie, und einmal zerkratzt, kann sie nicht so unsichtbar repariert werden wie polierter Stahl.

Aus der Werkstatt ergänze ich noch eines: farbiges DLC — Grün, Blau — gibt es, aber die zeitliche Stabilität ist geringer als beim klassischen Schwarz. Vor dem Kauf einer Uhr mit farbigem DLC lohnt es sich, die Marke zu fragen, welches Verfahren sie verwendet und ob sie eine Garantie im Falle von Abblätterung bietet.

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