Almanacco del Cinturino

Texture del quadrante

In der Uhrmacherei ist Textur keine sekundäre Dekoration: Sie ist zunächst eine optische Wahl, dann eine ästhetische, denn sie bestimmt, wie sich das Licht auf der Oberfläche verteilt und wie gut die Uhrzeit unter verschiedenen Bedingungen ablesbar bleibt. Von meiner Werkbank aus habe ich gelernt, sie auf einen Blick zu unterscheiden, und oft erzählt die Textur mehr als die Komplikation.

Die Techniken teilen sich grob in zwei Familien: die eingravierten und die projizierten. Zur ersten Familie gehört das Guillochieren, das viele Formen annehmen kann — Beads-of-Rice, Clou de Paris mit seinen gekreuzten Quadraten, das Gadroon der parallelen Rippen auf der Piaget Polo, die dreieckige Hobnail bestimmter Schweizer Manufakturen. Echtes Guillochieren wird auf einer Rosendrehmaschine ausgeführt: Die Maschine führt die Spitze, aber die Hand steuert den Druck. Das Ergebnis ist ein Muster, das Licht gerichtet erfasst, sich mit dem Winkel verändert, das Auge nicht ermüdet.

Die zweite Familie umfasst Projektionsoberflächen: Sandstrahlen, Blasting mit Mikrosphären, Frost-Effekt. Sie erzeugen matte Oberflächen, die das Licht gleichmäßig streuen, Reflexionen reduzieren und auch bei starkem Licht eine hohe Lesbarkeit gewährleisten. Die Orient Star mit doppelschichtigem Sandstrahlschliff ist ein gelungenes technisches Beispiel.

Dann gibt es noch Hybrid-Techniken. Soleil ist eine mechanische radiale Texturierung, die dynamische Reflexionen erzeugt: Das Licht bewegt sich mit dem Handgelenk. Grénage — je nach Tradition auch Grained oder Gratté genannt — arbeitet mit Mikrorauheit: ein fast sandiges Finish, das Reflexionen senkt, ohne vollkommen matt zu sein. Das französische Gratté wird mit einem Mehrklinge-Werkzeug ausgeführt, nicht mit Schleifpapier, und hinterlässt ein Muster, das unter starker Vergrößerung wie Stoff aussieht.

Der Laser hat Möglichkeiten eröffnet, die früher unpraktikabel waren: dreidimensionale Texturen auf unregelmäßigen Formen, Muster, die natürliche Oberflächen nachahmen — Stein, Eis, Dünen — mit einer geometrischen Präzision, die von Hand unmöglich ist. Die Royal Oak Concept Spider-Man nutzt den Laser, um die Gewebestruktur auf Weißgold nachzubilden: zuerst CNC, dann Laser, dann manuelle Nachbearbeitung. Drei Schritte für eine einzige Textur.

Auf gestuften Zifferblättern — mehrstöckigen — werden oft zwei verschiedene Texturen auf verschiedenen Ebenen kombiniert, wodurch neben dem visuellen auch ein taktiler Kontrast entsteht. Das erfordert Präzision bei der Verbindung der Ebenen: Sind die Texturen nicht proportional ausgerichtet, wirkt das Ergebnis verwirrend statt tiefgründig.

Nicht alle als handwerklich verkauften Texturen sind es: Crocodile Print auf Leder ist gestempelt, nicht von Hand graviert. Diese Unterscheidung gilt auch für Zifferblätter: Eine Rock-Surface-Finish aus einem Guss ist nicht dasselbe wie eine Oberfläche, die Stück für Stück bearbeitet wurde. Normalerweise sieht man das am Preis, aber nicht immer.

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