Almanacco del Cinturino

Stampa 3D

Additive Fertigung in der Uhrmacherei ist nicht eine einzelne Technik: Sie ist eine Familie von Verfahren, die Material Schicht um Schicht aufbauen, statt es aus einem Block zu entfernen. Die Unterscheidung zwischen Methoden ist wichtiger als der generische Name.

DMLS (Direct Metal Laser Sintering) ist der am besten dokumentierte Prozess in diesem Bereich. Ein hochleistungs-Faserlaser schmilzt Titaniumpulver — jede Schicht ist so dünn wie ein Menschenhaar — und folgt dabei dem digitalen Profil des Werkstücks. Die Plattform senkt sich, neues Material wird abgelagert, der Laser durchfährt das Design erneut. Tausende von Zyklen erzeugen ein durchgehendes Objekt ohne Schweißnähte und ohne Verbindungen zwischen den Gliedern. Panerai nutzt dies seit etwa 2016, zunächst bei Tourbillons, dann bei Gehäusen wie der PAM00768 und PAM01495: Die inneren Hohlräume, die nur die additive Fertigung ermöglicht, reduzieren das Gewicht um 25% gegenüber subtraktiv bearbeitetem Titan und um über 50% gegenüber Stahl bei gleicher äußerer Geometrie.

Selective Laser Melting (SLM) ist konzeptionell ähnlich, führt aber das Metall zur vollständigen Schmelze statt zum Teilsintern: Die Enddichte ist höher. Holthinrichs verwendet Titan Grade 5 mit diesem Verfahren — 48 Stunden zum Drucken von 45 Gehäusen auf einer einzelnen Bauplattform. Die Oskar Pascal OP483 in ZR01 lagert 720 Schichten ab, dann wird das Rohling gedreht und nach konventionellen Methoden fertig bearbeitet: Druck eliminiert die Endbearbeitung nicht, er reduziert sie.

Metal Binder Jetting ist ein dritter Weg: Statt eines Lasers lagert ein Druckkopf Bindermittel auf Pulverschichten ab. Es bietet feinere Auflösung und erfordert während des Drucks keine Stützstrukturen, mit größerer Designfreiheit. Es ist in der Uhrmacherei weniger verbreitet, aber vorhanden.

Oris und die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich entwickelten ein patentiertes Verfahren für Kohlefaser: Faser und Polymer werden kontrolliert Schicht um Schicht verflochten und erzeugen ein kohärentes und wiederholbares Gewebe, im Gegensatz zum zufälligen Muster traditioneller gepresster Karbongehäuse. Die Technologie stammt aus der Luft- und Raumfahrt.

Ein Hinweis zum Galvanic-Growth-Verfahren, das von Audemars Piguet für das Logo auf dem Zifferblatt des Code 11.59 verwendet wird: Quellen klassifizieren es als 3D-Druck, aber technisch handelt es sich um galvanisches Wachstum — kontrollierte elektrochemische Abscheidung, nicht additive Fertigung durch Schmelze oder Sintern. Begriffsüberschneidungen sind häufig; es lohnt sich, den tatsächlichen Prozess Fall für Fall zu überprüfen.

Aus der Werkstatt: Die charakteristische körnige Textur des DMLS ist vor der Oberflächenfinition schon beim Anfassen erkennbar. Viele Teile werden sandgestrahlt oder mikrogranuliert, um genau diese Oberfläche zu vereinheitlichen. Wer nur konventionell bearbeitete Gehäuse kennt, bemerkt den Unterschied sofort in der Hand — nicht beim erklärten Gewicht, sondern in der Masseverteilung.

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