Im klassischen Schweizer Ankerhemmung reist der Impuls zum Unruh immer durch die Gabel — ein Durchgang, der Reibung einführt und Energie in beiden Schwingungsrichtungen verschleißt. Die Doppelimpuls-Hemmung bricht diese Symmetrie auf: in einer Richtung reist der Impuls direkt vom Ankerrad zum Unruh, in der anderen passiert er den Anker. Reibung auf nur einer Seite des Zyklus zu reduzieren ist kein Detail: bei 36.000 Oszillationen pro Stunde addieren sich alle Mikroverluste.
Der heute am meisten untersuchte Fall ist die Dual Impulse Escapement des Grand Seiko 9SA5 Kalibers, eingeführt mit der fünften Generation der Hi-Beat-Familie. Das Ankerrad hat ein Sternprofil mit acht Armen — eine Geometrie, die man in der traditionellen Ankerhemmung nicht sieht — und kritische Komponenten werden mit MEMS-Technologie hergestellt, die Toleranzen und Gewichte ermöglicht, die mit konventioneller Bearbeitung unmöglich sind. Das System ist mit einem freigehendem Unruh gekoppelt, was den Anker von der Aufgabe entlastet, als laterale Referenz für den Unruh zu dienen: weniger Kontakte, weniger Verschleiß, bessere Isochroie. Das angegebene Ergebnis ist −3/+5 Sekunden pro Tag, mit 80 Stunden Gangreserve auf zwei Barrels.
Das Prinzip ist nicht neu. George Daniels' Independent Double Wheel Escapement, das die Sperr- und Impulsfunktionen klar auf zwei unterschiedliche Räder verteilte, hatte bereits in den 1970er Jahren gezeigt, dass man den Impuls vom Reibungsverschleiß der Ankerhemmung befreien konnte. Bernhard Lederer nahm diese Logik in seiner Central Impulse Escapement auf — präsentiert im Kaliber 9012 und mit dem GPHG 2021 ausgezeichnet — wo zwei unabhängige Triebe, jeder mit eigenem Fass und Remontoir d'égalité, zwei Ankerräder versorgen: eine Dissoziation bis zu ihren extremen Konsequenzen getrieben. Lederer erklärte, er habe sich genau auf die technischen Grenzen konzentriert, die seine Vorgänger gestoppt hatten, und sei dank moderner Bearbeitung in der Lage gewesen, diese zu überwinden.
Der Vergleich mit Omegas Co-Axial ist in der Fachpresse häufig, und er ist berechtigt: auch das Co-Axial reduziert Reibung, indem es Impulse auf verschiedenen Ebenen dissoziiert. Der Unterschied liegt in der Geometrie und dem Frequenzkontext. Das Co-Axial arbeitet typischerweise bei 25.200 Oszillationen pro Stunde; das 9SA5 bei 36.000. Bei hoher Frequenz wiegt die Effizienz der Energieübertragung stärker im Energiehaushalt des Barrels, und das erklärt, warum Grand Seiko in eine proprietary Lösung investierte, anstatt eine bestehende Geometrie anzupassen.
Vom Arbeitstisch: einen 9SA5 zum ersten Mal auseinanderzunehmen ist verwirrend für diejenigen, die von der Schweizer Ankerhemmung kommen. Das Sternrad und die Ankergeometrie folgen nicht den Proportionen, die man auswendig lernt. Es ist nicht schwierig, aber es erfordert, Ihre Reflexe zurückzusetzen.