Almanacco del Cinturino

Salto ore (jumping hour)

Der Stundensprung ist eine Komplikation, die die Uhrzeit durch ein Fenster im Zifferblatt anzeigt: die Ziffer springt zum Stundenwechsel sofort weiter, ohne progressive Bewegung. Das ist das Gegenteil des traditionellen Zeigers, der kontinuierlich über das Zifferblatt wandert. Der Unterschied ist nicht nur ästhetisch: es ist eine Entscheidung darüber, wie Zeit selbst gelesen wird.

Die mechanischen Ursprünge gehen auf Josef Pallweber zurück, der 1883 das erste Zahlenscheibensystem für ein Taschenuhrwerk anmeldete. Audemars Piguet brachte das Konzept 1921 an die Armbanduhr. Seither bleibt die Komplikation selten, nicht weil sie schwer zu konzipieren ist, sondern weil sie schwer richtig auszuführen ist. Das Problem ist energetisch: Der Mechanismus sammelt Kraft während der ganzen Stunde und gibt sie in einem Augenblick ab. Ist diese Abgabe nicht perfekt kontrolliert, springt die Scheibe zurück, oder der Übergang ist langsam und unsicher. Beides ist inakzeptabel.

Die klassische Lösung nutzt eine Spannfeder, die scharf auslöst, wenn ein Nocken den Auslösepunkt erreicht. Viele Werke verwenden einen Fliegenregler — eine Art Flügelbrems — um die Auslösung zu dämpfen und einen Scheiben-Rücksprung zu verhindern. Chopard in der L.U.C Quattro Spirit 25 nutzt ein Stern- und Nockensystem, das Stunden- und Minutenmechanismen trennt; Bovet im Récital 15 hat ein duales Sternsystem zum Synchronisieren des Sprungs patentiert. Unterschiedliche Lösungen, gleiches Kernproblem.

Die Komplikation erscheint in Varianten: Der Stundensprung kann sich mit rückläufigen Minuten verbinden (wie in der Chronoswiss Delphis oder Fam al Hut Möbius), oder mit einer zweiten 24-Stunden-Zeitzone mit Sprung, wie in der Laventure Transatlantique II. Es gibt auch den Stundensprung mit transparenter Scheibe, wo die Saphir-Scheibe die Ziffer hinterleuchtet anzeigt — eine von Otsuka Lotec verwendete Lösung. Manche Versionen zeigen Zehner und Einer auf separaten Scheiben, wie in der Time Jumper, die diese Unterteilung patentiert.

Verwandt nach Logik, aber unterschiedlich, ist der Springsekundenmechanismus (Deadbeat Seconds): Der Sekundenzeiger springt in Einsekundenschritten statt fließend. A. Lange & Söhne realisiert dies in der Richard Lange Jumping Seconds mit einem fünfzackigen Stern und einem Hebel genannt Flirt. Habring² fügt denselben Effekt seinem Kaliber A11S mit nur sieben zusätzlichen Komponenten hinzu. Das Prinzip ist identisch mit dem Stundensprung: angesammelte Energie, kontrollierte Abgabe, scharfer Sprung.

Am Arbeitsplatz habe ich Stundensprünge gesehen, die perfekt aussahen und in der Kälte hängenblieben, weil das Schmiermittel auf der Spannfeder verdickt hatte. Temperatur ist der Feind dieser Komplikation mehr als jeder andere mechanische Faktor.

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