Quarz ist ein piezoelektrischer Kristall: Wenn elektrischer Strom hindurchfließt, vibriert er mit konstanter und messbarer Frequenz. Diese physikalische Eigenschaft ist die Grundlage fast aller heute produzierten nichtmechanischen Uhren. Die Standard-Referenzfrequenz beträgt 32.768 Hz, gewählt, weil sie die fünfzehnte Potenz von zwei ist und sich durch einen digitalen Teiler leicht in Sekundenfraktionen unterteilen lässt. Das resultierende Signal treibt den Schrittmotor an, der die Zeiger bewegt.
Der Unterschied zwischen 32 kHz und höheren Frequenzen ist kein vernachlässigbares Detail. Die Bulova Precisionist schwingt mit 262.144 Hz: Der Sekundenzeiger gleitet kontinuierlich ohne die typischen Zuckungen von Standardquarzen, und die angegebene Genauigkeit fällt auf ±10 Sekunden pro Jahr gegenüber ±15–30 bei Standard-Kaliber. Ein noch bedeutsamerer Sprung ist der wärmekompensierte SuperQuartz, der die durch Temperaturschwankungen verursachte Frequenzdrift automatisch korrigiert: Unter realen Nutzungsbedingungen kommt er der Präzision von funkgesteuerten Signalen am nächsten, ohne auf externen Empfang angewiesen zu sein.
Das Mecha-Quarz-Werk verdient eine genaue Unterscheidung. Es ist weder rein elektronisch noch rein mechanisch: Das Quarz verwaltet die Grundzeitmessung, während ein separates mechanisches Modul das Chronograph-Werk antreibt. Das praktische Ergebnis, sichtbar im Seiko Instruments VK64 oder dem Depancel VK63, ist ein Chronographenzeiger, der während des Ablaufs sanft gleitet und mit dem sauberen, knackigen Schnapp eines Säulenrad-Mechanismus auf Null zurückkehrt. Keiner der beiden Welten wird völlig geopfert.
Grand Seikos Spring Drive nimmt eine wiederum andere Position ein. Es nutzt eine Triebfeder als Energiequelle, ist also nicht von einer Batterie abhängig, regelt die Abgabe jedoch durch einen Quarz-Oszillator und eine Elektromagnetbremse namens Tri-synchro Regulator. Die angegebene Genauigkeit beträgt ±1 Sekunde pro Tag, erreicht ohne die typischen Kompromisse von rein mechanischen oder rein elektronischen Uhren.
Quarz erscheint auch als Struktur- und Dekorationsmaterial. Aventurin ist eine Quarz-Variante mit Glimmer-Einschlüssen, die den funkelnden Effekt sogenannter Galaxie-Zifferblätter erzeugen. Katzenauge ist ein faserig kristalliner Quarz mit Chatoyanz, also dem sich mit dem Lichteinfall verändernden Bewegungsband-Optik-Effekt. Der von H. Moser & Cie. in der Streamliner Pump verwendete geschmiedete Quarz ist dagegen ein durch Verschmelzung und Verdichtung gewonnenes technisches Material, das als Gehäuseelement eingesetzt wird. Unterschiedliche Geschichten, gleiches Ausgangsmaterial.
Von der Werkbank aus füge ich noch hinzu, was Magazine gerne übersehen: Die Quarz-Krise der siebziger Jahre war nicht nur eine Schweizer Angelegenheit. Sie traf jeden Markt, der seine Industrie auf preiswerte mechanische Werke gestützt hatte, von Indien bis Japan. Wer überlebte, tat dies entweder durch den Fokus auf mechanischen Luxus, wie die Schweiz nach 1985, oder durch die Übernahme von Quarz als eigene Technologie, wie Seiko. Die Mittelwege verschwanden.