Ein handbemaltes Zifferblatt ist weder ein fotografischer Druck noch ein Abziehbild: Es ist Farbe, die direkt auf die Oberfläche mit winzigen Pinseln aufgetragen wird, Schicht für Schicht, oft auf Trägern, die nicht größer als zwei Zentimeter Durchmesser sind. Der Unterschied ist wichtig, denn er verändert alles — die Lichtreaktion, die wahrgenommene Tiefe und die Tatsache, dass kein Stück dem anderen gleicht.
Die Techniken variieren je nach Untergrund und angestrebtem Ergebnis drastisch. Auf Porzellan — wie bei den im Micro Artist Studio hergestellten Credor-Zifferblättern — werden die Indizes vor dem Brennen im Ofen bemalt, dann kehrt das Stück in die Hände des Handwerkers zurück für eine zweite Vergoldungsapplikation, dann wieder in den Ofen. Die Hitze stabilisiert die Pigmente, führt aber Variablen ein, die man nicht vollständig kontrolliert: deshalb erfordern bestimmte emaillierte Zifferblätter bis zu zwanzig Durchläufe durch den Ofen, wie beim fondant de Genève, dem traditionellen Genfer Schmelzmittel, das in aufeinanderfolgenden Schichten aufgetragen und mit einer transparenten Beschichtung versiegelt wird, die Glanz verleiht und die gesamte Oberfläche schützt.
Bei Standard-Metallzifferblättern ändert sich die Logik: Hier arbeitet der Künstler kalt und trägt Farbglasuren übereinander auf, um Schatten und Volumen zu schaffen, die bei so reduzierter Größe fast nur unter der Lupe sichtbar sind. Der auf Zifferblätter angewendete Pointillismus — kleine Punkte in unterschiedlicher Farbe und Größe, einzeln aufgetragen — erzeugt einen Effekt, der auf normale Betrachtungsdistanz ein einheitliches Farbfeld ergibt, unter Vergrößerung aber eine fast textile Struktur offenbart. Ich habe dies auf glanzpolierten Stahlzifferblättern angewendet sehen: Es hält überraschend gut, wenn das Stück keiner Feuchtigkeit ausgesetzt ist.
UV-reaktive Lacke gehören in eine eigene Kategorie: Sie sind im normalen Licht unsichtbar und offenbaren zusätzliche Details nur unter UV-Lampe. Eine junge Technik, entstanden im Customization-Umfeld, mit unterschiedlichen Ergebnissen hinsichtlich Langzeitbeständigkeit — hierzu habe ich nicht genug Daten, um mich mit Sicherheit äußern zu können.
Die Arbeit an der Montblanc 1858 Geosphere — Nordhemisphäre handgemalt, etwa vier Stunden pro Stück — gibt einen Eindruck vom Verhältnis zwischen Motivgröße und Ausführungszeit. Bei diesen Größen sind vier Stunden sehr wenig. Bei komplexen Emaillearbeiten sprechen wir von Tagen.
Am Arbeitsplatz sehe ich oft Zifferblätter, die als handgemalt präsentiert werden, aber tatsächlich Drucke mit einer manuell aufgetragenen Lackschicht sind. Der Unterschied ist erkennbar: echte Malerei hat Dickenschwankungen, die das Licht je nach Winkel unterschiedlich einfangen.