Die Dreiviertelsplate ist eine Konstruktionslösung, die in Glashütte in Sachsen entstanden ist und außerhalb der deutschen Uhrmachertradition nie wirklich übernommen wurde. Anstatt die Oberseite des Uhrwerks in mehrere separate Brücken aufzuteilen — eine für den Federhaus, eine für das Räderwerk, eine für die Ankerhemmung — wird eine einzige Metalllamelle verwendet, die etwa drei Viertel der Kaliberoberfläche abdeckt und nur einen Teil frei lässt, normalerweise die Seite der Reguliervorrichtung.
Der Vorteil ist nicht nur ästhetisch. Eine große Grundplate versteift den gesamten Uhrwerkstapel: die Achsen der Zahnräder haben zwei sehr eng beieinander liegende Lagerpunkte in vertikaler Richtung, was das Spiel verringert und die Konzentrizität der Zahnräder verbessert. Bei automatischen Kaliber wird die Nut für den exzentrischen Rotor direkt in die Dicke der Grundplate gefräst, sodass das Modul nicht in der Höhe zunimmt.
Das traditionelle Material ist Deutsches Silber, auch Neusilber genannt: eine Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, ohne echtes Silber, aber mit einer warmen, champagnerfarbenen Färbung, die sofort erkannt wird. Auf dieser Oberfläche wird die Glashütter Finishing ausgeführt, auch als Glashütter Streifen bekannt: sehr feine parallele Linien, die durch manuelles Kratzen mit einem spitzen Werkzeug entstehen und der Grundplate optische Tiefe verleihen und sie von einfacher Anglage oder dem Perlagen der Schweizer oder französischen Tradition unterscheiden. Die Regelmäßigkeit der Linien ist ein Zeichen von Geschick: ein erfahrener Bearbeiter behält konstante Geschwindigkeit und Druck über die gesamte Länge der Grundplate bei, ohne sichtbare Unterbrechungen.
Bei kleineren Kaliber wie dem Lange L152.1 oder dem Nomos Alpha wird die Geometrie verkleinert, aber das Prinzip bleibt identisch. Die Dreiviertelsplate ist eines der wenigen Konstruktionselemente, die Sammler beim Blick durch den Saphirboden sofort erkennen, und sie ist zu einem visuellen Erkennungszeichen der Sächsischen Schule fast ebenso wie das Markenlogo geworden.
Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, wann die Dreiviertelsplate erstmals in Glashütte auftrat: einige Quellen ordnen sie der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts zu, einer Zeit, in der die lokale Manufaktur ihre eigene Identität gegenüber Genf und Le Locle suchte, aber ich habe keine direkten Belege zur Hand.