Almanacco del Cinturino

Oro rosso

In der Uhrmacherei ist Rotgold nicht einfach eine ästhetische Wahl: es ist eine präzise metallurgische Entscheidung mit direkten Konsequenzen für Härte, Verhalten im Laufe der Zeit und Bearbeitbarkeit der Legierung. Die Farbe stammt vom Kupfer, und die Menge an Kupfer in der Legierung bestimmt sowohl die Intensität des Rot als auch die mechanischen Eigenschaften des fertigen Metalls.

Die Grundlage ist immer 18 Karat — 750 Promille reines Gold — aber die Bezeichnung ändert sich je nach Reinheit und Zusammensetzung des Restes. Die Kennzeichnung 5N erscheint häufig in technischen Dokumenten von IWC, H. Moser & Cie und anderen: In der Schweiz bezeichnet sie 18K-Rotgold mit einer Reinheit von fünf Neunen (99,999%), mit einem Kupferanteil, der den Ton zu einem warmen und ausgeprägten Rot treibt, deutlich unterschiedlich von konventionellem Roségold. Moser verwendet 5N in der Streamliner und anderen Modellen, wo der Farbton sich optisch von Stahl unterscheiden muss, ohne auf Oberflächenbehandlungen zurückzugreifen. IWC verwendet es im Gehäuse, dem Armband und dekorativen Elementen einiger Ingenieur und Le Petit Prince Modelle. Die Kennzeichnung 6N findet sich hingegen in Kontexten, wo die Kupferkomponente noch weiter kalibriert wird, um das Rot zu verstärken; der praktische Unterschied zwischen 5N und 6N ist real, aber subtil, und im Labor ist er eher durch Tastsinn — in der Oberflächenhärte — als mit bloßem Auge zu erkennen.

Omega entwickelte eine patentierte Legierung namens Sedna, registriert 2012: 18K-Rotgold mit Palladiumzusatz, der die Farbe über die Zeit stabilisiert und die Oberflächenoxidation verlangsamt, die dazu neigt, Roségold im Laufe der Jahre zu Gelb zu verschieben. Ich kenne die genaue komplette Formel nicht — Omega veröffentlicht sie nicht — aber das erklärte Ziel ist es, die Farbsättigung länger beizubehalten als traditionelle Legierungen mit nur Gold und Kupfer.

Von der Werkbank habe ich viele Rotgoldfälle gesehen, die nach zehn, fünfzehn Jahren zur Revision zurückkommen: Der Unterschied zwischen einer ausgewogenen Legierung und einer mit zu viel Kupfer zeigt sich an den Ecken des Gehäuses, wo das weichere Metall zuerst nachgibt. Deshalb kalibrieren seriöse Hersteller Kupfer präzise und fügen Spuren von Zink oder Palladium hinzu, um den Härteverlust auszugleichen. Rotgold ist weicher als Stahl, aber steifer als reines Gelbgold: es lässt sich gut fräsen, reagiert gut auf Spiegelpolieren, muss aber an scharfen Kanten vorsichtig behandelt werden.

Das rote Dreieck um 12 Uhr auf Flieger-Modellen und der rote Rotor bei Oris haben nichts mit dieser Legierung zu tun: Sie sind Anwendungen der roten Farbe als visuelles Signal, eine völlig andere Kategorie. Es lohnt sich, sie zu unterscheiden.

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