Der Begriff Ombré stammt aus dem Französischen und bedeutet einfach schattiert: Bei einer Uhr bezeichnet er einen graduellen Farbübergang, normalerweise von der Mitte zur Peripherie oder umgekehrt. Dies ist keine moderne Erfindung. Ich erinnere mich an meinen Werkbank an Zifferblätter aus den sechziger und siebziger Jahren — Longines, Zenith, bestimmte Rolex-Sportuhren — bei denen sich die lackierte Basis an den Rändern verdunkelte, ohne dass ihr jemand einen genauen Namen gab. Heute ist der Begriff überall, aber die Technik bleibt dieselbe.
Die häufigste Ausführung in der modernen Uhrmacherei ist konzentrische Lackierung: Man beginnt mit einer vollständig in der gewählten Farbe lackierten Basis, sprüht dann schwarzen Lack in konzentrischen Schichten zu den Rändern, wobei die Dichte erhöht wird, um den gewünschten Farbverlauf zu erzielen. Rolex verwendet exakt diese Methode auf seinen ombré-lackierten Zifferblättern: Grün, Burgund, Lachs — in der Mitte ist die Farbe gesättigt und sauber, an den Rändern geht sie in tiefes Schwarz über. Das Endergebnis kann an einen Himmel bei Sonnenuntergang oder den Boden eines Weinglases erinnern, je nach Ausgangsfarbe.
Eine Variante ist das sogenannte Fumé-Zifferblatt, bei dem die Schattierung von einem helleren, fast transparenten Zentrum ausgeht und zur Peripherie hin dunkler wird. Technisch ist es dasselbe Prinzip umgekehrt. Bei einigen Herstellern sind die beiden Begriffe austauschbar, bei anderen nicht: Rolex neigt dazu, Ombré für farbige Lacke zu verwenden, Fumé für geräucherte Saphir-Zifferblätter. Es lohnt sich, sie zu unterscheiden, da der Herstellungsprozess unterschiedlich ist.
Es gibt auch alternative optische Ansätze. Die Dietrich SD-1 überlagert eine transparente Saphirscheibe mit auf der Rückseite gedruckten Indexen über einer schattierten Basis darunter: Das Licht, das durch das Kristall fällt, wirft echte Schatten auf das untere Zifferblatt, und der Effekt ändert sich je nach Beleuchtungswinkel. Es ist nicht Ombré im eigentlichen Sinne, aber es funktioniert nach demselben visuellen Prinzip — wahrgenommene Tiefe durch das Zusammenspiel von Licht und Farbe. Auch bestimmte Zifferblätter mit Ziffern, die auf der Innenseite des Saphirkristalls gedruckt sind, nutzen diese Logik.
Aus Sicht der Lesbarkeit ist Ombré eine Wahl mit Kosten: Der Kontrast zwischen Indexen und Hintergrund variiert je nach Zone des Zifferblatts. In der Mitte kann er perfekt sein, an den Rändern kann das hinzugefügte Schwarz die Unterscheidung verringern. Es ist ein Kompromiss, den jeder Designer vor der Unterzeichnung des Entwurfs berücksichtigen muss.