Almanacco del Cinturino

Lancetta singola

Eine Uhr mit Einzelzeiger ist keine ungenaue Uhr: Sie ist eine Uhr, die neu definiert, was es bedeutet, die Zeit zu lesen. Ein einzelner Zeiger wandert über das Zifferblatt und zeigt Stunden und Minuten auf einer einzigen, graduierten Skala an. Kein Minutenzeiger, kein Sekundenzeiger. Die Zeit wird mit einer Genauigkeit gelesen, die je nach Zifferblattgraduierung zwischen zwei und fünf Minuten liegt. Für viele ist das ausreichend. Für einige ist es befreiend.

Das Prinzip ist nicht neu. Mittelalterliche Turmuhren hatten oft nur einen Zeiger: den Stundenzeiger. Der Minutenzeiger kam später, als mechanische Präzision das möglich machte und als der Alltag Pünktlichkeit auf die Minute erforderte. Davor reichte es zu wissen, ob es Morgen, Mittag oder Abend war. Der moderne Einzelzeiger greift diese Logik auf und bringt sie an das Handgelenk des einundzwanzigsten Jahrhunderts.

Der Hersteller, der dieses Prinzip zu einer erkennbaren Identität machte, ist MeisterSinger, ein deutsches Unternehmen, das 2001 in Münster gegründet wurde. Ihre Zifferblätter tragen eine externe Skala mit 144 Indizes über 24 Stunden oder die klassische 12-Stunden-Version mit Markierungen alle fünf Minuten. Der Zeiger, normalerweise lang und fein wie eine Nadel, wandert über die Skala mit halber Geschwindigkeit einer konventionellen Uhr: Er braucht zwei Minuten, um das Intervall abzudecken, das auf einem normalen Zifferblatt eine Minute dauert. Dies verlangsamt optisch das Ablesen und verlangsamt nach der Philosophie der Marke auch unsere Beziehung zur Zeit.

Technisch gesehen erfordert der Einzelzeiger ein entsprechend kalibriertes Uhrwerk. MeisterSinger nutzt unter anderem das Kaliber SW400, abgeleitet von einer ETA-Basis, mit dem für einen einzelnen Zeiger in halber Geschwindigkeit umgestalteten Räderwerk. Das ist keine Vereinfachung: Es ist eine strukturelle Modifikation am Herzen des Mechanismus.

Eine interessante Variante ist die Paul 24H, bei der der einzelne Zeiger das Zifferblatt in vierundzwanzig Stunden statt zwölf durchläuft und Morgen und Nachmittag ohne AM/PM-Anzeigen unterscheidet. Der Zeiger ist in diesem Fall an der Spitze gebogen, um sich korrekt auf der Außenbahn zu positionieren.

Vom Tresen habe ich ein paar Kunden gesehen, die eine Einzeigeruhr nach einer Woche zurückbrachten, weil sie sich nicht daran gewöhnen konnten. Ich habe andere gesehen, die nach einem Monat nicht mehr zurückkamen. Es ist eine Frage des persönlichen Rhythmus, nicht der Fähigkeit, ein Zifferblatt zu lesen.

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