Grand feu, wörtlich "großes Feuer", ist die höchsttemperatur-Emailliertechnik, die in der Uhrmacherei verwendet wird: die Brände finden zwischen 800 und 900 °C statt, manchmal darüber. Die Unterscheidung zum petit feu — verwendet für aufgesetzte Details wie Ziffern oder Minutenstrich, bei deutlich niedrigeren Temperaturen gebrannt — ist mehr als nur terminologisch: die beiden Verfahren erzeugen chemisch unterschiedliche Oberflächen mit nicht vergleichbarer Härte und Farbtiefe.
Die Grundlage des Grand-feu-Emails ist eine Mischung aus Kieselsäure, Bleiglätte, Kalium und Soda, zu feinstem Pulver gemahlen und mit Metalloxiden gefärbt. Das Pulver wird nass auf dem Träger — Messing, Silber, Kupfer oder Keramik je nach Entwurf — aufgetragen und dann gebrannt. Ein einzelner Durchgang reicht nicht aus: der Vorgang wird fünf- bis zwölffach wiederholt, manchmal bis zu dreißigmal für bestimmte tiefe Schwarztöne, wo jede Unvollkommenheit sofort sichtbar ist. Zwischen den Bränden wird das Werkstück von Hand poliert. Das Endergebnis ist eine glasige, äußerst harte Oberfläche mit einer Farbtiefe, die kein Druck oder Lack reproduzieren kann. Die Farbe verblasst nicht im nächsten Jahrzehnt oder dem zwanzigsten: diese zeitliche Stabilität ist der Grund, warum großartige Exemplare des neunzehnten Jahrhunderts noch lesbare Zifferblätter ohne Filter haben.
Von der Werkbank aus, nach vierzig Jahren an historischen und zeitgenössischen Stücken, füge ich eine Tatsache hinzu, die technische Datenblätter gerne auslassen: die Ausschussquote ist brutal. Sie hängt vom Basismaterial, der Schichtdicke, der Luftfeuchtigkeit des Tages, dem Alter des Brennofens ab. Einige Manufakturen geben Ausschussquoten von 30-40 Prozent an; bei schwierigen Farben — gesättigtes Schwarz, bestimmte Bordeauxrot, transluzentes Smaragdgrün über Guillochage — kann man erheblich höher gehen. Das ist die wahren versteckten Kosten des Grand feu, nicht die Arbeitsstunden.
Die Technik wird mit anderen Verfahren kombiniert: Cloisonné fügt gelötete Golddrähte hinzu, um Fächer zu schaffen, die mit farbigem Email gefüllt sind; Flinqué trägt transluzentes Email über ein guillochiertes Motiv auf, das in Transparenz sichtbar bleibt; der Fumé-Effekt wird durch überlagerte transluzente Schichten erzielt, die in der Dichte variieren, um Farbverläufe zu erzeugen. Aventurin, das kein reines Email, sondern zerstoßenes Glas gemischt ist, wird manchmal Grand-feu-Aventurin genannt, ist aber eine eigene Kategorie. Zur genauen chemischen Unterscheidung zwischen einem Grand feu einer internen Manufaktur und einem von einem externen Emaillierer — wie Brodbeck Guillochage in Fleurier oder Les Emailleurs de la Cité in Genf — hergestellt, habe ich keine verlässlichen technischen Daten: Ich kann die Oberfläche lesen, nicht den vorgelagerten Prozess.