Kohlefaser ist kein einzelnes Material: Es ist eine Familie von Verbundwerkstoffen, die sich je nach Konstruktion radikal unterschiedlich verhalten. Von meiner Werkbank aus habe ich gelernt, sie auf Anhieb und beim Anfassen zu unterscheiden, und der Unterschied ist wichtiger als technische Datenblätter vermuten lassen.
Der Grundprozess besteht aus kohlefaserverstärkten Schichten, die mit Harz — typischerweise Epoxid — imprägniert und dann in einem Autoklav gepresst und gebacken werden. So entsteht das Carbotech von Panerai: dünne Streifen übereinander, im Druckofen gebacken, dann gefräst. Das Ergebnis ist ein Gehäuse mit einem unregelmäßigen und erkennbaren Muster, extrem leicht, rostfrei und hypoallergen. Jeder gefräste Block unterscheidet sich von den anderen. Es ist kein angestrebter ästhetischer Effekt: Es ist eine direkte Folge des Prozesses.
Geschmiedete Kohlefaser funktioniert umgekehrt: Kurze Faserfragmente werden mit Harz vermischt und unter Druck gepresst, während das Harz aushärtet. Die Struktur ist zufällig und dreidimensional — keine orientierte Bindung, kein wiederholtes Muster. Technisch ist sie steifer und schwerer zu bearbeiten. Sie wird unter anderem von Doxa für die SUB 300 Carbon verwendet. Die Produktionskosten sind höher und das sieht man.
Dann gibt es Hybridvarianten. Das Kohlefiberglas des Laureato Absolute Crystal Rock wechselt zwischen Kohlefaser- und Glasfaserschichten ab, um Gewicht und Steifigkeit zu modulieren. Das CTP — Carbon Thin Ply — verwendet kreuzweise orientierte Folien, um eine mehrgeflochtene antimagnetische und dermokompatible Struktur zu erreichen. Norqains NORTEQ enthält eine biobasierte Rizinusöl-Polymermatrix zur Verbesserung der Stoßdämpfung. Benetheaus NyloFoil kombiniert Polyamid aus recycelten Fischernetzen mit regenerierter Kohlefaser.
Die extremsten Varianten verlassen den polymeren Bereich. Der für IWC mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelte Ceramic Matrix Composite verwendet eine Keramikmatrix statt einer polymeren: Widerstand gegen Temperaturschocks ohne Vergleich zu Standard-Verbundwerkstoffen. Das SPSCF von Behrens fügt eine Diamantbeschichtung auf die Faser auf. Ulysse Nardins Carbonium verwendet Abfallmaterial von Flugzeugrümpfen — hochmodulare Faser, bereits für Strukturlasten zertifiziert.
Eine Anmerkung zu Graphen: Einige Hersteller tragen eine Graphenpulverbeschichtung auf den bereits geformten Verbundstoff auf. Es ist keine Graphenfaser — es ist eine Oberflächenbehandlung, die Härte und Verschleißfestigkeit verbessert. Der Unterschied wird in der Markenkommunkation nicht immer klar gemacht.
Was alle diese Materialien gemeinsam haben: reduziertes Gewicht im Vergleich zu Stahl, keine Korrosion, Hypoallergenität. Was sie unterscheidet, ist alles andere: Steifigkeit, ästhetisches Muster, Kosten und Bearbeitbarkeit. Wer eine Uhr aus Kohlefaser kauft, sollte wissen, welche Art er kauft.