Email in der Uhrmacherei ist nicht nur ein Material: es ist eine Familie von Techniken, die sich zunächst durch Brenntemperatur, dann durch Trägerkonstruktion und dann durch Schichtung unterscheiden. Diese Unterschiede zu klären ist die erste Aufgabe, denn der Begriff Enamel erscheint auf Zifferblättern, die fast nichts miteinander gemeinsam haben.
Die grundlegende Unterscheidung ist zwischen grand feu und petit feu. Grand feu — großes Feuer — bedeutet Brennen bei hoher Temperatur, normalerweise über 800 °C. Das Ergebnis ist eine glasige Schicht, die sich innig mit dem Grundmetall verbindet, normalerweise Kupfer oder Silber. Sie verblasst nicht, wird durch UV-Licht nicht verändert und widersteht chemisch weit besser als jeder Lack. Petit feu brennt bei niedrigeren Temperaturen und ermöglicht es, feine Details — Ziffern, Indizes, Texte — aufzutragen, ohne das darunter Liegende zu verbrennen. Im Breguet Classique Souscription ist der weiße Untergrund grand feu, die arabischen Ziffern sind petit feu: die beiden Feuer verrichten unterschiedliche Arbeiten auf dem gleichen Zifferblatt.
Die Anzahl der Schichten variiert enorm. Ein einfaches weißes Zifferblatt erfordert fünf oder sechs Brände; ein tiefes Schwarz kann dreißig erreichen, da jede Unvollkommenheit auf der dunklen Oberfläche sichtbar wird und jede Schicht vor der nächsten überprüft werden muss. Die Moritz Grossmann Enamel Roman Vintage überschreitet neunzig Arbeitsphasen, die sich über mehrere Tage verteilen. Jeder Riss oder jede Blase stoppt alles und man beginnt von vorne: es gibt keine Teilwiederherstellung.
Die Trägerkonstruktion ändert die Technik. Im Champlevé werden Zellen in das Metall graviert und mit farbigem Email gefüllt: die Metallkanten bleiben sichtbar und definieren das Muster. Im Plique-à-jour ist das Email transluzent und in Zellen ohne metallischem Untergrund aufgehängt, und das Licht scheint hindurch wie in einem Kirchenfenster. Im Paillonné werden extrem dünne Metallelemente — winzige Sterne, Blätter, Silbersplitter — zwischen aufeinanderfolgenden Schichten von transluzidentem Email eingefügt, was eine optische Tiefe schafft, die kein Druck reproduzieren kann.
Eine Sache, die ich oft schlecht beschrieben sehe, ist das kalte Email, das technisch kein Email ist: es wird nicht gebrannt, vergläst sich nicht, es ist ein farbiges Harz. Es ist zerbrechlicher, altert anders und sollte nicht mit grand feu verwechselt werden, auch wenn sich das ästhetische Ergebnis ihm nähert. Von der Werkbank aus erkenne ich es sofort: echtes Email hat eine Härte und Tiefe, die das Harz nicht erreicht.
Grand feu kann auch auf Gehäusebodenteile und Platinen aufgetragen werden, nicht nur auf Zifferblätter. Guilloché-Gravur unter transluzidenz Email — eine Technik, die auf vielen Moser-Zifferblättern sichtbar ist — ist ein Fall, in dem sich mechanische und glasige Dekoration gegenseitig verstärken: die eingravierte Textur lebt unter einer Schicht, die sie verstärkt, statt sie zu verbergen.