Almanacco del Cinturino

Doppio oscillatore

Zwei Unruhräder, die synchron innerhalb desselben Kalibers arbeiten, sind konzeptionell nicht neu, aber ihre praktische Umsetzung hat Jahrzehnte lang ungelöste technische Probleme gestellt. Der Kern ist immer derselbe gewesen: Wie lassen sich zwei unabhängige Regulierorgane zum Zusammenwirken bringen, ohne dass das eine das andere stört, und wie verteilt man die Energie aus dem Federhaus gerecht?

Der radikalste Ansatz ist der von Ulysse Nardin im UN-251-Kaliber, wo die beiden Silizium-Unruhräder um 20° zur Ebene des Werks geneigt sind und mit 18.000 Doppelhüben pro Stunde schlagen. Die Neigung ist kein ästhetischer Geste: Sie verändert das Verhältnis zwischen Gravitationskraft und Oszillationsebene und reduziert die Empfindlichkeit gegenüber der Handgelenksorientierung. Das vertikale Differential — ein patentierte Komponente und nach Angaben von Ulysse Nardin das kleinste je gebaute vertikale Differentialgetriebe, gestützt durch Kugellager — verteilt den Impuls zwischen den beiden Oszillatoren, ohne dass die Beschleunigung des einen auf den anderen als Störung übertragen wird. Das patentierte Grinder-System, ein automatisches Aufzugsmechanismus, versorgt beide gleichzeitig und wandelt auch minimale Handgelenksbewegungen um.

Audemars Piguet ist mit dem Double Balance Wheel, das 2016 in der Royal Oak Openworked und später im Kaliber 3132 eingeführt wurde, einen anderen Weg gegangen. Hier sind die beiden Unruhräder koaxial und mechanisch verbunden: Die Logik ist das Gegenteil von Harrisons Resonanz, denn AP möchte sie in Phase, nicht in Opposition. Das erklärte Ergebnis ist eine größere Frequenzstabilität bei wechselnder Federhaustension.

Die doppelte Spirale — zwei gekoppelte Spiralen von Precision Engineering AG — geht das Problem an der Quelle an: Statt das Unruhrrad zu duplizieren, wirkt man auf die Regulierfeder ein. Ein Paar identischer Spiralen, in Opposition montiert, reduziert die Auswirkung der asymmetrischen Reibung, die eine einzelne traditionelle Spiralfeder plagt, verbessert die Isochronität, ohne die Oszillationsmasse zu erhöhen.

Es lohnt sich, diese Systeme vom Doppelimpuls-Escapement des Voutilainen 216TMZ zu unterscheiden, wo es zwei Escapement-Räder, aber nur ein Unruhrrad gibt: Dort betrifft die Verdoppelung die Impulsübertragung, nicht das Regulierorgan. Die Kategorie des Doppeloszillators im engeren Sinne impliziert, dass beide Unruhräder zur Zeitregelung beitragen.

In der Praxis ist eine unabhängige Überprüfung der von den Herstellern behaupteten Präzisionsvorteil selten. Standardzertifizierungen — COSC, Master Chronometer — sehen keine spezifischen Protokolle für Doppeloszillator-Werke vor. Wer ein Kaliber dieser Art kauft, erwirbt in erster Linie eine hochwertige Ingenieurbaulösung, deren metronomische Überlegenheit gegenüber einem gut regulierten einzelnen Unruhrrad unter realen Gebrauchsbedingungen noch nicht endgültig nachgewiesen ist.

Vuoi scoprire di più?