Das Brennen ist der Prozess, der Emaillepulver in eine glaserartige Oberfläche umwandelt: Ohne den Ofen gibt es kein Email, nur Pulver. Grand-Feu-Email — grand feu bedeutet wörtlich großes Feuer — erfordert Temperaturen zwischen 750 und 900°C, die in wiederholten Zyklen erreicht werden und je nach Zifferblatt-Komplexität von fünf bis über neunzig Durchgänge dauern können. Jeder Zyklus folgt dem gleichen Schema: Ich trage eine dünne Schicht farbiges Glaspulver auf die Metallbasis auf, brenne, warte auf die Verschmelzung, entnehme, flache ab, falls nötig, und fange wieder an. Die endgültige Farbe erscheint erst nach dem letzten Durchgang.
Die Basis muss aus Edelmetall sein — Gelbgold, Weißgold oder Silber — da sie sich thermisch ausdehnen muss, ohne sich zu verformen und ohne chemisch mit dem Email zu reagieren. 18er Weißgold ist die häufigste Wahl für hochwertige Uhren-Emailzifferblätter, gerade wegen seiner Stabilität bei diesen Temperaturen. Basen aus Messing oder Stahl sind mit Grand Feu unvereinbar.
Das Risiko ist ständig gegenwärtig. Bei jedem Brennen dehnen sich Glas und Metall mit unterschiedlichen Raten aus: Dieser Unterschied ist die Hauptursache für Risse, Luftblasen und Ablösungen. Bestimmte Pigmente — Brauntöne und einige Rottöne — sind besonders unberechenbar und können von Zyklus zu Zyklus ihre Tönung ändern. Die Ausschussquote in spezialisierten Laboren ist hoch; es gibt keine Möglichkeit, ein Zifferblatt zu retten, das im Ofen gerissen ist.
Porzellan folgt einer anderen Logik. Es ist nicht Email auf Metall: Es ist Ton, der bei viel höheren Temperaturen gebrannt wird, etwa 1.300-1.400°C, was einen kompakten Keramikkörper erzeugt. Farben werden nach dem ersten Brand aufgetragen und mit nachfolgenden Bränden bei niedrigeren Temperaturen fixiert, etwa 900°C. Das Meissen-Zifferblatt der Senator und die Nabeshima-Scheiben folgen diesem schichtweisen Prozess, bei dem jede dekorative Änderung einen neuen Ofendurchgang erfordert.
Der Unterschied zwischen Email und Lack ist sichtbar und fühlbar. Gebranntes Email hat eine optische Tiefe, die aus dem Inneren der Glasoberfläche stammt, nicht aus ihrer äußeren Reflexion. Es wird mit der Zeit nicht trübe, zerkratzt nicht so leicht wie eine Beschichtung, reagiert nicht auf Lösungsmittel. Von meinem Werkplatz aus erkenne ich nach vierzig Jahren ein authentisches Grand-Feu-Zifferblatt an seinem ungleichmäßigen Glanz: Jede Schicht hat Licht leicht unterschiedlich absorbiert, und dies hinterlässt eine sichtbare Spur, die kein Lack nachahmen kann.