Almanacco del Cinturino

Certificazione

In der Uhrenindustrie ist Zertifizierung nicht einfach ein Wort: Es ist ein geschichtetes System aus Behörden, Protokollen und Normen, die sich überlappen, ohne unbedingt gleichwertig zu sein. Die Unterschiede zu verstehen ist wichtiger als jedes Etikett auf dem Zifferblatt.

Der obligatorische Ausgangspunkt ist das COSC, Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres, gegründet 1973. Es zertifiziert Uhrwerke — nicht komplette Uhren — durch Testen der täglichen Abweichung über 16 aufeinanderfolgende Tage in fünf Positionen und drei Temperaturen. Die zulässige Toleranz liegt zwischen -4 und +6 Sekunden pro Tag. Es ist ein ernsthafter Standard, bezieht sich aber auf das rohe Kaliber: Alles, was nach dem Gehäuse, Ölung und endgültiger Regulierung geschieht, fällt nicht unter das Zertifikat. Dies ist die historische Grenze des COSC, die viele Verkäufer nicht erwähnen.

Die strukturiertere Antwort kam 2015 mit dem Master Chronometer METAS, entwickelt von Omega zusammen mit dem Schweizer Bundesamt für Metrologie. Hier wird die komplette, gehäuste Uhr zertifiziert. Die Anforderungen umfassen eine Genauigkeit zwischen 0 und +5 Sekunden pro Tag, magnetische Beständigkeit bis 15.000 Gauß und Wasserdichtheit nach der Montage. Die von Omega für Kaliber mit zwei Zeigern eingeführte Dual Metric Technology fügt eine kontinuierliche akustische Analyse über 25 Tage hinzu: Sensoren erfassen Temperatur, Druck, Position und Magnetfelder, während das Uhrwerk arbeitet. Dies ist methodisch rigoroser als das klassische COSC.

Der Poinçon de Genève arbeitet auf einer anderen Ebene: Er misst nicht nur Genauigkeit, sondern auch die Qualität der Finishes. Um ihn zu erhalten, muss die Uhr im Kanton Genf montiert und reguliert werden, die Oberflächen müssen präzise Polierkriteria erfüllen, und das fertige Uhrwerk muss chronometrische Tests bestehen. Es ist die einzige Zertifizierung, die Genauigkeitsmetriken mit ästhetischen Metriken des Uhrwerks kombiniert.

Qualité Fleurier von Chopard und Minerva Laboratory Test 500H sind dagegen interne Manufakturstandards: streng im Unternehmenskontext, aber ohne unabhängige Drittpartei. Gleiches gilt für die Elaboré-Stufe von Sellita-Kaliber, die eine Dreipositions-Regulierung ohne externe Zertifizierung anzeigt.

Die Norm ISO 6425 regelt ein separates Gebiet: Tauchtauglichkeit. Sie verlangt, dass Dichtheitstests bei 125% des angegebenen Drucks durchgeführt werden. Sie sagt nichts zur chronometrischen Genauigkeit.

Schließlich Swiss Made und Swiss Crafted: Ersteres verlangt, dass mindestens 60% des Wertwerts des Uhrwerks Schweizer Herkunft haben; letzteres ist eine freiwillige, restriktivere Bezeichnung, die von Manufakturen verwendet wird, die praktisch alles in der Schweiz herstellen, einschließlich Komponenten. Sie zertifizieren keine Genauigkeit; sie zertifizieren Herkunft.

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