Glossar · Terminologie

Valjoux

Definition

Valjoux ist keine Uhrenmarke: Es ist eine Rohwerk-Manufaktur, gegründet in Les Bioux, im Vallée de Joux, die fast ein Jahrhundert lang praktisch jedes bedeutende Uhrenhaus mit Chronographenwerken belieferte. Vom Valjoux 23 aus dem Jahr 1916 bis zum 7750 aus dem Jahr 1974 hat diese Kaliberlinie die Architektur des modernen mechanischen Chronographen mehr geprägt als jeder andere Hersteller.

Der Valjoux 23 ist der Ausgangspunkt. Achtunddreißig Millimeter Bruttodurchmesser — nein, Moment: 29,5 mm bei 5,8 mm Höhe — Kolonnenrad mit neun Säulen, große Unruh, zentrale Y-Brücke. Von 1916 bis 1974 übernommen von Patek Philippe, Audemars Piguet, Vacheron Constantin. 1938 entsteht der Valjoux 72, eine direkte Weiterentwicklung des 23 mit zusätzlichem 12-Stunden-Zähler: drei Zähler, Handaufzug, 18.000 Halbschwingungen pro Stunde bis 1960, dann im Kaliber 726 auf 21.600 aktualisiert. Der 72 war in Heuer, Rolex, Tudor und Dutzenden kleineren Häusern verbaut. Er war in jenen Jahren das Standardwerk des hochwertigen Chronographen.

Parallel dazu existierten weniger bekannte, aber technisch interessante Varianten. Der Valjoux 88 ergänzte den 72 um Mondphase und Triplekalender. Der Valjoux 65, sechzehn Linien, wurde von Eberhard als Basis für seinen Schleppzeiger verwendet, umbenannt in Kaliber 16000. Die Familie V23 — mit den Varianten 234, 235, 236 und 237 — kombinierte Fliegerrückstellung und Kalender in Ausführungen, die heute auf dem Zweitmarkt recht selten sind. Der Valjoux 92 ist sofort an seinem oszillierenden Ritzel zu erkennen, das den Minutenzähler steuert: ein konstruktives Detail, das Sammler schnell erkennen lernen.

1974 führt ETA, damals bereits wie Valjoux Teil der ASUAG-Gruppe, den 7750 ein: automatischer Chronograph, Rotoraufzug, Steuerung über Kulissen anstelle des Kolonnenrads. Die Wahl der Kulissensteuerung war pragmatisch — Robustheit, einfache Revision, Herstellungskosten — kein technischer Kompromiss. Das System funktioniert gut, auch wenn Puristen weiterhin das Kolonnenrad wegen der Geschmeidigkeit der Übergänge bevorzugen. Vom 7750 leiten sich der 7751 mit Vollkalender, der 7753 mit den Zählern bei 3-6-9 und der neuere A05 ab, der diese symmetrische Anordnung aufgreift. Sellita hat das eigene SW510 auf derselben Architektur aufgebaut. Joux-Perret ist mit dem L111 einen ähnlichen Entwicklungsweg gegangen. Chinesische Klone wie der SL4617 von Liaoning Peacock übernehmen das Schema des 7750 für den Einstiegsmarkt.

Von der Werkbank aus habe ich Valjoux 72 in tadellosem Zustand nach sechzig Jahren im Einsatz gesehen und 7750 nach zehn Jahren bereits verschlissen. Der Unterschied lag oft an der Pflege des Besitzers, nicht am Kaliber.

Häufige Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen Valjoux 72 und Valjoux 7750?

Das 72 ist ein Handaufzugswerk mit Schaltradsteuerung und drei Zählern, eingeführt 1938. Das 7750 ist ein Automatikwerk mit Kulissensteuerung, eingeführt 1974. Das 72 ist heute im Vintage-Bereich begehrt; das 7750 ist der am weitesten verbreitete Automatikchronograph in der modernen Produktion und bildet die Basis zahlreicher Ableitungen.

Was bedeutet es, dass ein Kaliber „auf dem Valjoux 7750 basiert“?

Es bedeutet, dass das Uhrwerk die konstruktive Architektur des 7750 übernimmt — Nockenschema, Rotorposition, Brückenlayout — mit proprietären Modifikationen. Union Glashütte, Brellum, Mido und andere passen Finissage, Unruh oder Spirale an, während die Basis ETA/Valjoux erhalten bleibt.

Der nächste Schritt

Das richtige Armband wählt man nicht. Man baut es gemeinsam.

Vom Termin im Atelier bis zur Lieferung ist jeder Schritt für jene gedacht, die wissen, dass gute Dinge Zeit brauchen. Seltene Leder, ein Stück nach dem anderen, achtzehn Monate Garantie.

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Aktualisiert am · von Antonio Zichichi