Glossar · Terminologie
Proprietäre Goldlegierungen
oro proprietario · lega aurea speciale · oro brevettato
Definition
18-Karat-Gold ist ein Anfang, nicht ein Ziel. Der 75%-Anteil an reinem Gold bleibt fest, um den Standard zu erfüllen; die restlichen 25% — die Legierung — hier spielen die Hersteller wirklich. Kupfer, Silber, Palladium, Gallium: Durch Variation der Anteile und Behandlungen entstehen radikal unterschiedliche Farbtöne, Härten und zeitliche Verhalten. Vom Werkbench erkenne ich sofort den Unterschied zwischen konventionellem Gelbgold und Omegas Moonshine Gold: Letzteres hat eine fast mondähnliche Helligkeit, kühler, weniger gesättigt. Das ist nicht bloßes Marketing — das ist echte Chemie.
Omega hat drei unterschiedliche Legierungen entwickelt. Moonshine Gold (2019) ist ein 18K mit Silber, Kupfer und Palladium in Anteilen, die den Ton gegenüber traditionellem Gelbgold aufhellen, mit hoher Beständigkeit gegen Farbverlust im Laufe der Zeit. Sedna Gold ist das firmeneigene Roségold, verwendet in Speedmaster und Constellation. Bronze Gold enthält 37,5% Gold — 9K Feinheit — mit Gallium und Palladium: es entwickelt eine langsame Patina, ohne das aggressive Grünspan der Bronzeoberfläche. Drei Legierungen, drei unterschiedlich gelöste Probleme.
Rolex arbeitet vertikal: Es schmilzt und walzt Gold intern. Everose ist ein 18K Roségold mit hohem Kupferanteil, stabil weil Rolex jeden Schritt kontrolliert. Jubilee Gold, eingeführt bei der Day-Date 40, kombiniert Gelb-, Warmgrau- und Rosatöne in einer einzigen Legierung — ein Effekt, den man mit klassischem Gelbgold nicht erreicht. Rolesor ist keine Legierung, sondern eine konstruktive Kombination: Stahlgehäuse, Lünette und Krone aus 18K Gold.
Hublot setzte auf Härte. Magic Gold (2011) ist das erste kratzfeste 18K Gold der Welt: Bornitrid-Keramik in die Goldstruktur infiltriert, Vickers-Härte um 1000 HV gegen 400 HV für konventionelles Gold. Der grünliche Farbton ist ein direktes Effekt der Keramik. King Gold ist dagegen ein klassisches 5N — 18K mit dominantem Kupfer — wärmer und rötlicher, ohne die kratzfesten Ambitionen von Magic Gold.
IWC nennt seine Legierung Armor Gold: modifizierte Mikrostruktur zur Erhöhung der Oberflächenhärte, speziell für Edelmetall-Sportgehäuse gedacht. A. Lange & Söhne patentierte 2010 Honey Gold: Geheimzusammensetzung, Honigfarbe, mechanische Festigkeit überlegen Standard-Malleabilitätsgold. Breguet nutzt ebenfalls eine proprietäre Legierung aus Gold, Silber, Kupfer und Palladium — die gleiche für Gehäuse, Brücken und Glocken in Minutenrepetitionen.
In der Bewegung erscheint Gold auch in verschraubten Chatons — den Stützen für Rubinzapfen — wie in den Robert-Mühle-Kaliber der Serie von Mühle Glashütte: härter als Messing, widerstehen sie Verschleiß im Laufe der Zeit auf messbare Weise. Die 5N-Behandlung hingegen ist eine warme, bernsteinfarbene Oberflächenbeschichtung auf Platinen und Brücken, keine strukturelle Legierung: ein präziser ästhetischer Effekt, nichts mehr.
Der nächste Schritt
Das richtige Armband wählt man nicht. Man baut es gemeinsam.
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