Glossar · Terminologie
Anglage
chanfrein · bisello · smusso · beveling
Definition
Anglage ist die Fase der scharfen Kanten von Platinen, Brücken und anderen Komponenten eines Kalibers: es ist keine aufgeklebte Dekoration, sondern das Metall selbst ändert seine Form. Man erzeugt es mit Feile und Polierstahl, von Hand, indem man das Werkzeug in einem Winkel von etwa 45 Grad über die Kante des Bauteils führt und diese Linie über die gesamte Längskante konstant hält. Es klingt einfach. Es ist es nicht.
Ich sah den Unterschied schon während meiner Zeit bei Piaget an der Werkbank: maschinell ausgeführte Anglage oder Arbeit mit rotierenden Werkzeugen hinterlässt ein abgerundetes Profil, leicht matt, das sich bei künstlichem Licht nicht verändert. Handarbeit mit Polierstahl auf blauem Stahl oder deutschem Silber erzeugt eine flache Fase mit zwei Flächen, die sich in einer präzisen Linie treffen — und diese Linie fängt das Licht wie ein gespannter Draht. Das ist der Punkt: nicht die Breite der Fase, sondern die Schärfe der Kanten, die sie begrenzen.
Die anspruchsvollste Version ist die spiegelpolierte Anglage an Innenkanten, diese eingezogenen Ecken, wo die Feile nicht hinkommt und man mit holzbeladenem Diamantpaste arbeitet. Bei bestimmten Kaliber — die Quelle erwähnt über 1.300 Innenkanten bei einer Minutenrepetition — kann ein einzelner Uhrmacher allein an dieser Operation Wochen verbringen. Beim Kaliber KV21 zeigen die deutschen Silberbrücken breite, spiegelpolierte Fasen mit korrigierten Innenkanten: es ist eine erklärte, fast protzige ästhetische Wahl, die zeigt, wie viel Zeit in das Werk investiert wurde.
Anglage existiert in Kontrast zu anderen Oberflächenfinishes: Côtes de Genève, Perlage, Circular Graining, Soleiillage sind alle Texturen, die auf die ebenen Flächen des Bauteils aufgebracht werden. Anglage betrifft nur die Kanten. Diese technische Unterscheidung wird oft verwechselt, sogar in Katalogen. Black Polishing hingegen ist das Spiegelpolieren ebener Flächen — typischerweise auf den Hebelschwänzen — und hat nichts mit dem Fasenschnitt zu tun.
Bei Glashütte-Bewegungen ist Anglage mit der Tradition der Drei-Viertel-Platine und der Schwanenhalsjustierung verbunden. Bei Minerva-Kaliber wird der Effekt durch die dunkle Oberflächenbehandlung der Argentan-Legierung verstärkt, die jede Fase durch Kontrast hervorhebt. In beiden Fällen ist der Saphirboden aus gutem Grund vorhanden: Ohne Sichtbarkeit würde diese ganze Arbeit dem Besitzer verborgen bleiben. Aber die Arbeit ist trotzdem da, und das ist das Maß für den Ernst einer Manufaktur.
Der nächste Schritt
Das richtige Armband wählt man nicht. Man baut es gemeinsam.
Vom Termin im Atelier bis zur Lieferung ist jeder Schritt für jene gedacht, die wissen, dass gute Dinge Zeit brauchen. Seltene Leder, ein Stück nach dem anderen, achtzehn Monate Garantie.
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